Wirtschaft : Aktionäre attackieren die Commerzbank Hauptversammlung kritisiert Vorstand scharf

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Frankfurt am Main - Rund 4500 Aktionäre haben Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank am Freitag ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und die Hauptversammlung zur Abrechnung mit Vorstandschef Martin Blessing und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller genutzt. „Es reicht!“, rief Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den Managern in der Frankfurter Messehalle entgegen. Es seien die schlechtesten Chefs, die die Bank in ihrer 147-jährigen Geschichte gehabt habe, sagte Aktionär Karl Walter Freitag. Sie hätten seit 2008 Kapital in Höhe von 23 Milliarden Euro vernichtet. Blessing und Müller sollten nicht nur nicht entlastet, sondern entlassen werden, forderte er unter minutenlang anhaltendem Beifall der Aktionäre.

Müller und Blessing verfolgten die Kritik mit versteinerten Mienen, verteidigen aber den eingeschlagenen Kurs, die für Mitte Mai geplante Kapitalherabsetzung von 10 zu 1 (aus zehn Aktien wird eine Aktie) und die danach vorgesehene Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro, über die Aktionäre auf dem Treffen abstimmen sollten und mit der die stille Einlage des Bundes endgültig abgelöst werden soll.

Die Lage der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank bleibt schwierig. Zwar sei das eigentliche Bankgeschäft im ersten Quartal solide gelaufen, sagte Blessing, aber wegen des Kostensparprogramms und des angekündigten Personalabbaus müsse die Bank eine halbe Milliarde Euro zurückstellen, so dass mit einem negativen Ergebnis zu rechnen sei. „2013 verspricht insgesamt kein einfaches Jahr zu werden. Eine verlässliche Aussage zum Ergebnis ist schwierig“, fügte er, begleitet von Pfiffen der Aktionäre, hinzu. Bis 2016 will die Bank 4000 bis 6000 Stellen streichen.

Die frustrierten Aktionäre maßen diesen Aussagen keine große Bedeutung zu. „Wir haben keine Hoffnung, dass es in diesem Haus grundlegend besser wird. Wir trauen diesem Management nicht“, sagte DSW-Sprecher Nieding. Er warf Blessing und dem gesamten Vorstand Raffgier vor. Mit fast 13 Millionen Euro lägen die Gehälter der neun Manager mehr als doppelt so hoch wie der Nettogewinn von nur sechs Millionen Euro im vergangenen Jahr. „Damit gehen sie in die Annalen ein.“ Allein Blessings Gehalt ist 2012 von 500 000 Euro auf fast 1,4 Millionen Euro gestiegen, nachdem die Deckelung der Gehälter wegen der Beteiligung des Bundes aufgehoben worden war. Aktionär Freitag sprach von einer „Geldvernichtungs-Maschinerie“, die Blessing unablässig am Laufen gehalten habe. Rolf Obertreis

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