Wirtschaft : Aktionäre greifen Infineon-Vorstand an

Scharfe Kritik am Aktienoptionsplan des Halbleiterherstellers/Gewinn angekündigt

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München (jojo/HB). InfineonChef Ulrich Schumacher stand unter Beschuss der Aktionäre: „Das Aktienoptionsprogramm ist grob instinktlos", schimpfte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Die Juristin betonte zwar, dass gegen solche Programme grundsätzlich nichts einzuwenden sei. In diesem Fall gebe es jedoch „den Geruch von Selbstbedienung“. Bergdolt stand nicht alleine mit ihrer Kritik. Die Anteilseigner ärgert besonders, dass die Führungskräfte des Chipherstellers bereits in den Genuss der zusätzlichen Vergütung kommen, wenn der Kurs während eines Jahres nur um 0,7 Prozent steigt. Willi Bender von der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz: „Das ist keine Bezahlung nach Leistung, sondern ein Mitnahmegewinn.“ Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley verteidigte das Optionsprogramm. „Der Vorstand hat Außerordentliches geleistet.“ Trotz der Kritik wurden Vorstand und Aufsichtsrat bei nur wenigen Gegenstimmen entlastet.

Bender findet die Gehälter der Infineon-Führungscrew angesichts der Verluste ohnehin zu hoch. In den vergangenen drei Jahren hat Infineon insgesamt ein Minus von rund 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Erst in den zurückliegenden zwei Quartalen erzielte die Firma einen schmalen Gewinn. Schumacher sagte, er sei „zuversichtlich, dass wir im laufenden Geschäftsjahr wieder Geld verdienen werden“. 2004 sollen die Kosten nochmals um 500 Millionen Euro gedrückt werden, kündigte Schumacher an.

Schon vor Beginn der Hauptversammlung hatten Mitarbeiter demonstriert, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten. Vor allem die Beschäftigten der Chipfertigung in München-Perlach zittern. „Infineon muss endlich sagen, was mit dem Standort passiert“, forderte Dieter Scheitor von der IG Metall. Scheitor zog gestern in den Aufsichtsrat von Infineon ein. Er kündigte an, sich auch gegen Verlagerungen ins Ausland einzusetzen.

Von der kräftigen Erholung im Chipmarkt profitiert die frühere Siemens-Tochter nicht so stark wie erhofft. So senkte die Deutsche Bank gestern ihre Gewinnprognosen für dieses und das kommende Geschäftsjahr. Die Analysten begründen dies vor allem mit den niedrigen Preisen im Speicherchipgeschäft.

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