AKTIONÄRE KLAGEN : „Der Kapitalist träumt vom Dank“

Herr Zapf, Sie haben den Altana-Vorstand wegen der Ausschüttung von 4,7 Milliarden Euro nach dem Verkauf der Pharmasparte verklagt. Freuen Sie sich als Aktionär nicht darüber?

Ich störe mich am „Wie“ der Ausschüttung. Die Steuergesetze erlauben, dass die Großaktionärin Susanne Klatten, die die Hälfte des Betrages bekommt, maximal fünf Prozent Steuern zahlt. Der Streubesitz, also die Kleinaktionäre, zahlen hingegen nach dem Halbeinkünfteverfahren im Einzelfall bis zu 23 Prozent. Das ist ungerecht.

Ist es auch der Undank des Antikapitalisten Zapf?

Der Kapitalist erwartet Profit und träumt auch noch vom Dank.

Ein Aktienrückkauf und eine Kapitalherabsetzung hätten Ihnen besser gefallen. Warum?

Auf diesem Wege wäre zum Teil ein steuerfreier Zufluss an die Aktionäre möglich gewesen, womit sich deren steuerliche Abgaben deutlich vermindert hätten.

Am 2. Oktober wird vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt. Ihre Klage dürfte den Verkauf und die Ausschüttung nicht stoppen. Warum geben Sie trotzdem Geld aus?

Verkauf und Ausschüttung sind erfolgt. Deshalb bleibt mir nur übrig, Geld in die Hand zu nehmen und durch das Gericht feststellen zu lassen, ob die steuerliche Ungleichbehandlung das Unternehmen verpflichtet, sorgsamer die Interessen der Kleinaktionäre zu vertreten. Auch im Hinblick auf künftig ähnlich gelagerte Fälle.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer.

Klaus Zapf (65)

hat die Berliner Umzugsfirma Zapf gegründet. Der Millionär und ehemals linke Aktivist ist unter anderem Aktionär bei Altana.

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