Wirtschaft : Aktionäre loben die Bankgesellschaft

Vetter: „Wir müssen mehr Geld verdienen“

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Berlin „Auf der Kostenseite haben wir die Arbeit weitgehend geleistet. Die Ertragsseite steht jetzt im Focus.“ Diese klaren Vorgaben machte der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft Berlin, Hans-Jörg Vetter, am Freitag vor knapp 1000 Aktionären auf der Hauptversammlung im Berliner ICC. „Wir müssen im Vertrieb mehr Geld verdienen.“

Der Umbau des Konzerns sei auf dem letzten Drittel der Wegstrecke, sagte Vetter weiter. Die in den vergangenen Jahren erzielten „kräftigen Verbesserungen“ auf der Kostenseite ließen sich nicht ohne weiteres fortsetzen. In der Arbeit mit den Kunden komme die Bank aber gut voran und er sei zuversichtlich, dass sie die Herausforderungen meistern werde. Der Vorstandsvorsitzende bekräftigte, dass der Konzern im laufenden Jahr ein Ergebnis nach Risikovorsorge und vor Steuern von etwa 100 Millionen Euro ausweisen könne. Bis Ende März war der Vorsteuergewinn auf 31 (Vorjahresquartal 129) Millionen Euro gesunken. Allerdings waren in der entsprechenden Vorjahreszeit hohe einmalige Erträge verbucht worden.

Von den Vertretern der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erhielten Vetter und die Mitarbeiter der Bank viel Lob. Endlich einmal seien die Ankündigungen auch erfüllt worden. Kai Weigert von der SdK gab allerdings zu bedenken: „Erst wenn die Bank tatsächlich wächst und sich gegen die Konkurrenz durchsetzt, ist die Sanierung gelungen.“

Doch dann ergriff Peter Grottian das Wort, und der Friede war dahin. Der FU-Professor und Begründer der „Initiative Berliner Bankenskandal“ ist nämlich mittlerweile Aktionär. Erstmals war er also nicht darauf beschränkt, vor der Tür zu protestieren, sondern durfte rein und reden. „Aktionäre sind nicht mehr das Stimmvieh von früher“, wetterte er. „Sie begehren auf.“ Der Lagebericht sei schönfärberisch, zu den Risiken der Bankgesellschaft habe Vetter nichts Substanzielles gesagt. Während der Bankvorstand stolz darauf sei, Tausende entlassen zu haben, ohne sich zu fragen, ob man ein paar Arbeitsplätze durch Arbeitszeitverkürzungen hätte retten können, habe er seine eigenen Bezüge kräftig erhöht. Grottian schloss mit dem Antrag, dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern und ihre Vergütung um 20 Prozent zu kürzen. Der Antrag die Bezüge zu kürzen wurde allerdings vom Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus G. Adam als unzulässig abgelehnt. Auch sonst setzten sich Vorstand und Aufsichtsrat mit ihren Vorschlägen durch. Die Präsenz erreichte 91,8 Prozent. fk/dr

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