• Aktionäre pokern gegen Karstadt-Quelle Bis Freitag muss sich der Konzern noch mit fünf Kleinaktionären einigen – sonst droht die Insolvenz

Wirtschaft : Aktionäre pokern gegen Karstadt-Quelle Bis Freitag muss sich der Konzern noch mit fünf Kleinaktionären einigen – sonst droht die Insolvenz

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Karstadt-Quelle bleiben nur 72 Stunden, um sich mit den Kleinaktionären zu einigen, die Widerspruch gegen die Montagabend beschlossene Kapitalerhöhung eingelegt haben. „Wir werden mit diesen Aktionären Gespräche aufnehmen“, sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe am Dienstag. Laut Howe haben sechs Aktionäre Widerspruch eingelegt, allerdings sei einer der Widersprüche aus formalen Gründen nichtig. „Der Aktionär Rainer Johannes hat seinen Widerspruch nicht wie notwendig zur Niederschrift gegeben“, sagte Howe.

Der Aufsichtsratschef von KarstadtQuelle, Thomas Middelhoff, glaubt, dass sich die restlichen Aktionäre und der Konzern rechtzeitig einigen werden. „Ich bin optimistisch, bis Freitag zu einem Einvernehmen zu kommen, das uns ermöglicht, die Kapitalerhöhung planmäßig umsetzen zu können“, sagte Middelhoff am Dienstag. Es könne nicht sein, dass drei, vier Aktionäre die Zukunft des Konzerns aufs Spiel setzten.

Für eine Einigung bleibe nur bis Freitag Zeit, weil dann der vorgeschriebene Verkaufsprospekt für die neuen Aktien veröffentlicht werden müsse, sagte Howe. Sonst wäre eine Kapitalerhöhung in diesem Jahr nicht mehr möglich. Die aber ist Teil des Sanierungsplans – und die kreditgebenden Banken bestehen darauf, dass der auch komplett erfüllt wird. Die Kapitalerhöhung sei eine Kondition des Rettungspakets, dazu gebe es keine Alternative, hieß es in Bankenkreisen.

Der Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VfA) vertritt nach eigenen Angaben drei der sechs Aktionäre, die Widerspruch eingelegt haben. Der VfA zeigte sich am Dienstag gesprächsbereit und erklärte, er wolle nicht die Existenz des Konzerns gefährden. Allerdings seien die Widersprüche inhaltlich angemessen. Schließlich werde den Aktionären zugemutet, einem mit den Banken ausgehandelten angeblich existenziellen Deal zuzustimmen, ohne auch nur ansatzweise die Details zu kennen. „Wir fordern von Karstadt-Quelle mehr Transparenz“, sagte VfA-Vorstandsmitglied Leonhard Knoll. Zudem sagte er, dass weder der VfA noch seine Geschäftsführerin Caterina Steeg – die auf der Hauptversammlung anwesend war – Aktien der Karstadt-Quelle AG besitzen.

Der VfA ist bei Karstadt-Quelle nicht unbekannt: Bereits 1999 sorgte er auf einer Hauptversammlung für Furore. Damals legte der VfA Widerspruch gegen die Fusion von Karstadt und Quelle ein. Am Ende kam es zu einem Vergleich. „Meilenstein im Kampf gegen hirnlose Jasagerei“ jubelte der Verein nach der Einigung mit dem Konzern. Die beinhaltete, dass die Aktionäre, die Widerspruch eingelegt hatten, ihre Aktien zu einem so genannten inneren Wert von 977,04 Mark verkaufen konnten. Zudem erklärte sich Großaktionärin Schickedanz bis 2001 zu einer Dividendengarantie an die Aktionäre bereit. Inoffiziell, so wird in branchennahen Kreisen behauptet, sollen damals auch 20 Millionen Euro gezahlt worden sein, damit die Widersprüche zurückgezogen wurden. Beweise gibt es dafür nicht und auch VfA-Vorstandsmitglied Knoll verwehrte sich gegen diese Behauptung „aufs Schärfste“.

Auch diesmal wird Karstadt-Quelle versuchen einen Vergleich zu schließen. Solche Abkommen hätten oft einen offiziellen und einen inoffiziellen Teil, sagt ein Branchenkenner. Ersterer sei so gestaltet, dass für alle Aktionäre etwas abfällt. Im inoffiziellen Teil gehe es dann um das Geld, dass die Aktionäre bekommen, die Widerspruch eingelegt haben. Auch Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold sagte, der Hintergrund solcher Widerspruchs-Aktionen sei meist weniger die Sorge um das Wohl der Firma als die Hoffnung auf private finanzielle Vorteile. „Es ist ungeheuerlich, dass einzelne Menschen mit Profil- und Geldinteressen einen Konzern und damit auch die Belegschaften derart in Schwierigkeit bringen können.“ mit dpa

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