Wirtschaft : Aktionäre stimmen Cybermind-Umbau zu

BERLIN (dw).Das Berliner Multimedia-Unternehmen Cybermind hat den Umbau in eine Holdinggesellschaft zwar fast abgeschlossen, verlangt von seinen Aktionären aber weiterhin Geduld: Die Cybermind AG werde solange keine Dividende auszahlen, wie Gewinne sinnvoll in neue Geschäftsfelder reinvestiert werden können, sagte Vorstandssprecher Holger Timm am Dienstag auf der Hauptversammlung im Hotel Kempinski: "Die Aktionäre sollten sich damit vertraut machen, den Wert ihrer Geschäftsanteile nicht an einer möglichen Dividendenrendite, sondern an dem rechnerischen Wert des gesamten Firmenvermögens zu messen." Eine solche Wertfeststellung, räumte Timm ein, sei "natürlich allemal theoretischer Natur."

Auf der nächsten Hauptversammlung werde die jetzige "Cybermind Interactiv Europe Multi-Media-Service AG" ihren Namen in "Cybermind Holding AG" ändern, kündigte Timm an.Unter deren Dach werden dann fünf Geschäftsfelder vereinigt.Dazu gehört die Cybernet Inc.für Internet- und Telekom-Dienste, die noch in diesem Jahr an den Neuen Markt der Frankfurter Börse gebracht werden soll.Die Cyberspace GmbH ist für den Bereich Computerhardware, Industrie-Entertainment und Homesysteme - mithin auch für Computerspiele - zuständig.Die Cybermind Cafe Operations GmbH wird die Internet-Cafe-Kette "Website" betreuen.Die geplante Cybermind Software AG soll als vierter Bereich Software- und Electronic Commerce bündeln.Die hierzu gehörende US-Tochter Artificial Life Inc.(Boston) soll etwa einen sogenannten Avatar zur Produktreife entwickeln: Eine dreidimensionale, menschenähnliche und programmierbare Figur, die sich für den Internet-Nutzer ständig im Cyberspace aufhält und dort Aufgaben wahrnimmt, für die bisher Internet-Kurierdienste, Suchmaschinen und Browser notwendig waren.Im fünften Bereich ist eine "Cybermind Venture Inc." als Beteiligungsgesellschaft geplant.Ein sechstes Geschäftsfeld werde 1999 dazukommen, kündigte Timm an, ohne jedoch Details zu nennen.

Das im Berliner Freiverkehr notierte Unternehmen Cybermind erzielte im Geschäftsjahr 1997 erstmals einen Jahresüberschuß von 708 000 DM, nachdem im Jahr zuvor ein Jahresfehlbetrag von 950 000 DM angefallen war.Allerdings, so Timm, "wachsen auch im Virtual Realtiy-Bereich die Bäume nicht mehr in den Himmel." Der Cybermind-Chef erinnerte die Aktionäre daran, daß ihr Engagement "Wagniskapital" darstelle: Die hohen Wachstums-Chancen von Cybermind gingen mit entsprechenden Risiken einher.So sei im Bereich Virtual Reality (VR) derzeit kein qualitativ hochwertiges Massenprodukt absehbar.Das von der Cybermind UK betreute Geschäftsfeld mache zwar noch Gewinne, schätze die künftigen Möglichkeiten aber als wenig erfolgverprechend ein.Komplexe, hochentwickelte VR-Syteme fänden zur Zeit keine genügende Resonanz, weil der kostspielige Betrieb solcher Geräte keine schnelle Amortisation erwarten ließe.Bereits in den vergangenen zwei Jahren sei der weltweite Markt für Virtual-Reality-Anwendungen weit hinter den allgemeinen Erwartungen zurückgeblieben.Unter den zahlreichen Konkursen und Insolvenzverfahren sei auch die mit Cybermind eng verbundene Virtuality Group gewesen: "Ein unerwarteter und erheblicher Rückschlag", so Timm.Die Umsatzerlöse seien nicht zuletzt deswegen von 2,42 Mill.DM auf 1,83 Mill.DM zurückgegangen.Die Virtuality-Probleme und der Konzernumbau belasteten auch das Geschäft im ersten Halbjahr 1998 mit einem Gesamtverlust von 900 000 DM, der aber im zweiten Halbjahr wieder ausgeglichen werden könne.Für die nächsten Jahre versprach Timm "eine solide und erfolgreiche Positionierung der Cybermind AG in wachstumsstarken Zukunftsmärkten.

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