Wirtschaft : Aktionäre wollen mehr von Rekordgewinnen

Dividenden steigen – aber viele Firmen knausern

Christian Schnell (HB)

Frankfurt am Main - Die deutschen Unternehmen haben im vergangenen Jahr knapp 30 Milliarden Euro Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Das sind im Schnitt acht Milliarden Euro oder 39 Prozent mehr als im Geschäftsjahr 2004, wie aus einer am Mittwoch vorgestellten Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter 950 AGs hervorgeht. Doch die Aktionäre hatten sich trotz dieser Rekordsumme mehr versprochen. Denn: Noch immer zahlen nach Erkenntnissen der DSW rund 60 Prozent der in Deutschland gelisteten Unternehmen keine Gewinnausschüttung an ihre Anteilseigner.

Auffällig dabei: Je kleiner die Unternehmen und je geringer die Transparenzregeln des Börsensegments sind, in dem die Aktie gelistet ist, umso mehr schwindet die Neigung, Dividenden zu zahlen. „Diese hohe Zahl der Nichtzahler liegt vor allem daran, dass sich unter den Neuemissionen der letzten Jahre zahlreiche Unternehmen fanden, die nicht annähernd börsenreif waren“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Mittwoch.

Aber nicht nur der fehlenden Dividende wegen finden diese Werte bei den Aktionärsschützern wenig Anklang. Von den 583 Aktien des so genannten General Standard zahlen mehr als 400 keine Dividende, zudem gelten deutlich geringere Transparenzanforderungen als im Premiumsegment Prime Standard. Entsprechend schwieriger ist auch die Entwicklung der Gesellschaft für den Anleger nachzuverfolgen.

Nur die Aktionäre von Dax-Unternehmen konnten sich über ein ordentliches Zubrot in Form einer hohen Dividende freuen. Bis auf Infineon haben alle Dax-Gesellschaften eine Gewinnausschüttung gezahlt. 26 von ihnen haben diese im Vergleich zum Vorjahr sogar erhöht, niemand senkte seine Dividende.

Aber auch im Dax ergeben sich krasse Unterschiede. Als außergewöhnlich großzügige Dividendenzahler fallen BASF, Eon, Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom und Siemens auf. An der Spitze steht hier – auch wegen einer hohen Sonderausschüttung – der Versorger Eon, gefolgt von der Deutschen Telekom mit drei Milliarden Euro.

Aktionärsschützer Hocker interpretiert den Betrag im letzten Fall allerdings eher als „Schmerzensgeld“. Schließlich war die Telekom-Aktie im vergangenen Jahr der einzige Dax-Wert, der das Jahr mit einem Kursverlust abschloss.

Anlass zur Kritik an der Dividendenpolitik gibt es auch bei den Dax-Werten. „Die Steigerung der Dividendenzahlungen hielt wieder einmal nicht mit den Zuwächsen bei den Gewinnen mit“, sagte der Dividenden-Experte der DSW, Herbert Hansen, der seit Jahrzehnten die Ausschüttungspolitik der Aktiengesellschaften untersucht. Gerade einmal sieben Dax-Unternehmen schütteten laut DSW-Studie 50 Prozent oder mehr aus. Insgesamt haben die 30 Dax-Unternehmen für das vergangene Jahr nur 37 Prozent des erwirtschafteten Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Im Vorjahr waren es noch 38 Prozent.

Spitzenreiter ist hier der Handelskonzern Metro mit 67 Prozent, dicht gefolgt von Eon (65 Prozent) und Daimler-Chrysler (54 Prozent). Negativ ragt Adidas mit einer Quote von nur 14 Prozent heraus. Auch Continental (16 Prozent), die Allianz (18 Prozent) und BMW (19 Prozent) schneiden im DSW-Vergleich schlecht ab.

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