Wirtschaft : Aktionärsschützer fordern mehr Fonds-Informationen

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Jeden dritten neu angelegten Euro investieren Privatanleger in Deutschland in Investmentfonds. Mehr als 15,6 Prozent der Bevölkerung halten Fondsanteile. Mittlerweile stehen in Deutschland rund 5000 Fonds zur Auswahl. Doch diese große Zahl macht die Entscheidung für den Anleger nicht leichter, und welchen Einfluss die Fonds inzwischen gewonnen haben, nimmt der Investor auch nur in den seltensten Fällen wahr. Und ihr Einfluss wächst. Der Anteil am inländischen Aktienvermögen, der auf deutsche Kreditinstitute, Versicherungsgesellschaften und Investmentfonds entfällt, ist seit Anfang der neunziger Jahre von 25 Prozent auf 43 Prozent gestiegen. Und er wird mit den nun neu auf den Markt kommenden Pensionsfonds, etwa der IG Chemie oder der IG Metall, noch deutlich zunehmen.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hat deshalb am Montag in Berlin zehn Leitsätze für Investment- und Pensionsfonds vorgelegt, die einen fairen Umgang mit den Anlegern garantieren sollen und angesichts der erhöhten Machtkonzentration bei den Fondsgesellschaften auch eine stärkere Verantwortlichkeit der Fondsmanger festlegen sollen. Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW, forderte im Sinne der Anleger insbesondere einheitliche Regeln für den Erfolg der Fonds. Die Fonds sollten künftig ihre Performance für einen relevanten Zeitraum mit einem jeweils relevanten Fonds oder mit vergleichbaren Fonds für denselben Zeitraum vergleichen. Darüber hinaus sollten einheitliche Risiko-Klassifizierungsysteme entwickelt werden, und schließlich sollten alle Investmentgesellschaften ihre Einstufung durch professionelle Rating-Agenturen unterstützen.

Hocker forderte einen vergleichbaren Ausweis von Management- und Transaktionskosten. Die Gebühren bei den auf dem Markt befindlichen Angeboten seien derzeit so unterschiedlich, dass die Investoren die Fonds verschiedener Gesellschaften kaum vergleichen könnten. Die Fonds sollten sich auf einheitliche Standards für die Bilanzierung und eine einheitlich definierte Kennzahl für die Kosten (TER) verständigen.

Um den Einfluss der Fonds transparent zu machen, sollten die Fondsgesellschaften darlegen, welche Abstimmungsgrundsätze auf der Hauptversammlung die jeweilige Gesellschaft verfolgt. Investmentfonds sollten grundsätzlich eigene Richtlinien zum Thema Corporate Governance entwickeln und deren Einhaltung durch einen Ausschuss gewährleisten. Zunächst aber müsse überhaupt sichergestellt sein, dass die Fondsgesellschaften grundsätzlich ihre Stimmrechte im Sinne der Fondsanteilsinhaber ausübten. Hocker verwies auf mögliche Interessenkonflikte, etwa wenn die Gewerkschaften über die Pensionsfonds Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen könnten. Sie könnten aber auch auftreten, wenn die Konzernobergesellschaft etwa eine Bank sei, die selbst am Kapitalmarkt aktiv ist.

Mit der Vorlage der Richtlinie habe die DSW die Diskussion eröffnet, skizzierte Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher das weitere Vorgehen der Schutzvereinigung. Angestrebt werde eine Selbstverpflichtung der Investmentgesellschaften, weniger neue gesetzliche Bestimmungen. Ein Teil der Fondsgesellschaften erfülle die Forderungen bereits zum Teil, so die DWS oder Union. Bei den "Deka-Fonds beispielsweise wissen wir aber nicht, wie sie auf den Hauptversammlungen abstimmen", sagte Benner-Heinacher. Ausländische Fonds seien auf den Hauptversammlungen bisher nur sehr selten überhaupt vertreten.

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