Aktionärsversammlung der Deutschen Bank : Ackermann und die Aktionäre

Gerichtsprozesse in den USA, Finanzierung von Streubomben und ein Nachfolger ist nicht in Sicht: Josef Ackermann musste sich auf der Aktionärsversammlung unangenehme Fragen stellen lassen.

von und Bertram Küster
Josef Ackermann stellte sich auf der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank den unangenehmen Fragen der Aktionäre. Angriffslustig wies er die Kritik zurück.
Josef Ackermann stellte sich auf der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank den unangenehmen Fragen der Aktionäre. Angriffslustig...Foto: dpa

Josef Ackermann ist nicht gerade bekannt dafür, dass er öffentlich Fehler zugibt. Darum kann man das, was der Chef der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Frankfurt sagte, schon fast als Schuldeingeständnis werten: In einem Konzern mit mehr als 100 000 Mitarbeitern weltweit sei ein Verstoß gegen die Prinzipien „nicht ein für allemal auszuschließen“, gab Ackermann zu.

Obwohl die Deutsche Bank zuletzt glänzende Zahlen vorgelegt hatte, gab es reichlich Kritik vonseiten der Aktionäre: Es ging um die noch immer ungelöste Nachfolge von Ackermann, die Klagewelle in den USA und Investitionen der Deutschen Bank in Waffenhersteller und Atomkraftwerkbetreiber. Die meisten Angriffe parierte der Chef gewohnt angriffslustig.

Rechtsanwalt Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW etwa monierte ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das einem Mittelständler aus Hessen Recht gegeben hatte, der sich von der Bank mit einem komplexen und am Ende verlustreichen Finanzprodukt in die Irre geführt gefühlt hatte. Nieding sagte, die Bank hätte sich bei der Verhandlung besser auf einen Vergleich eingelassen. Die „schallende Ohrfeige“ des Gerichts sei „die richtige Quittung für so viel Sturheit“. Ackermann hingegen beharrte darauf, dass die Bank im Recht gewesen sei: So lange die Produkte Gewinn abgeworfen hätten, hätten die Kunden sie sehr wohl verstanden.

Kritik übten die Aktionäre auch an der Debatte um die Nachfolge des Vorstandschefs. Sie wünschen sich eine schnelle Entscheidung, weil die Spekulationen der Bank und den genannten Kandidaten schadeten. DSW-Vertreter Nieding forderte von Aufsichtsratschef Clemens Börsig „endlich eine offene Kommunikation“. Der Vorstandsvertrag von Ackermann endet in zwei Jahren, über seine Nachfolge wird aber schon eifrig spekuliert. Als Kandidaten werden der Inder Anshu Jain, Chef der Investmentsparte, Risikovorstand Hugo Bänziger, aber auch der zurückgetretene Bundesbank-Chef Axel Weber gehandelt.

Begleitet wurde die Hauptversammlung von Aktivisten, die gegen die Tatsache demonstrierten, dass die Deutsche Bank einen Hersteller von Streubomben mitfinanziert. Dazu erklärte Ackermann: „Wir unterhalten als globale Bank auch Geschäftsbeziehungen zu Mischkonzernen, die auch – vielleicht ohne, dass wir das wissen – Produkte herstellen, die geächtet sind.“ Er kündigte an, solche Engagements künftig noch genauer unter die Lupe zu nehmen. mirs/rtr

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