Wirtschaft : Aktionärsvertreter fordern auch Rücktritt des Aufsichtsratschefs

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat den Rücktritt von Holzmann-Chef Heinrich Binder gefordert. Der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns habe sich durch "unzureichende Informationen an die Aktionäre disqualifiziert", kritisierte die DSW am Mittwoch. Auch Aufsichtsratschef Carl von Boehm-Bezing soll nach dem Willen der Aktionärsvertretung seinen Stuhl räumen. Boehm-Bezing, der auch im Vorstand des Holzmann-Hauptgläubigers und -Großaktionärs Deutsche Bank sitzt, habe seine Aufgaben nicht erfüllt. Sollten die Rücktritte nicht erfolgen, will die DSW dieses nochmals "mit Nachdruck" auf der Ende Dezember stattfindenen Hauptversammlung des Baukonzerns fordern.

Die DSW prüft zudem, ob gegen die Gremien von Holzmann Ersatzansprüche geltend gemacht werden könnten. Die von Holzmann gegen ehemalige Manager gestellte Strafanzeige reiche bei weitem nicht aus. Aus diesem Grund wolle die DSW auf der Holzmann-Hauptversammlung die Vorlage der angefertigten Sonderprüfungsgutachten verlangen und zugleich die Bestellung eines so genannten besonderen Vertreters beantragen, der Ersatzansprüche gegen Vorstand, führende Mitarbeiter und Wirtschaftsprüfer durchsetzen soll.

Binder hat bisher sowohl die Frage nach einem Rücktritt als auch nach eigenem Verschulden für die Finanzkrise stets verneint. Noch am Mittwoch lehnte er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung die persönliche Verantwortung für die Schieflage bei Holzmann ab. Er räumte jedoch ein, dass es besser gewesen wäre, die Fehler früher zu entdecken. Insofern bestehe Anlass zur Kritik, sagte er. Amtsmüde ist er seinen weiteren Äußerungen zufolge nicht: "Ich will die Sanierung bis 2001 durchziehen", sagte Binder. Er rechne zudem damit, dass im Laufe des Ermittlungsverfahrens frühere Vorstände und Aufsichtsräte von Holzmann als Straftäter verurteilt würden.

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