Wirtschaft : Alarm beim Hoechst-Betriebsrat

FRANKFURT (MAIN) (ro).Als "Alarmzeichen" wertet Friedrich Weber, Betriebsratsvorsitzender der Hoechst-Pharma-Tochter HMR, Meldungen über den Abbau von bis zu 11 000 Arbeitsplätzen durch die Fusion von Hoechst und Rhône Poulenc (RP) zum neuen Pharma- und Biotechnologie-Riesen Aventis.Die Zahlen stammen allerdings nicht von den beiden Unternehmen, sondern aus einer externen Studie, aus der die französische Wirtschaftszeitung ,Les Echos" zitierte.

Hoechst-Sprecher Carsten Tilger betont ausdrücklich, es seien noch keine Entscheidungen gefallen."Die 22 Integrationsteams von Hoechst und RP haben sich erst konstituiert.Sie werden jetzt weltweit jeden Standort unter die Lupe nehmen".Dann wolle man sich mit den Arbeitnehmervertretern zusammensetzen, bevor endgültig über einen möglichen Personalabbau entschieden werde.

Der Studie zufolge könnten innerhalb von drei Jahren zwischen 9800 und 11 000 Stellen gestrichen werden, davon bis zu 2800 in Frankreich.Vor allem im Pharmabereich der neuen Aventis könnten bis zu 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.Die Studie war von der US-Firma Monitor Company, die häufiger mit HMR zusammenarbeitet, bereits im Herbst vergangenen Jahres erstellt worden.Bei der offiziellen Ankündigung der Fusion Anfang Dezember in Straßburg hatten weder Hoechst-Chef Jürgen Dormann noch sein RP-Kollege Jean-Rene Fourtou konkrete Angaben zu den Arbeitsplätzen gemacht.Es werde aber Stellenstreichungen geben.Rund zwei Mrd.DM soll das neue Unternehmen jährlich einsparen.Aventis soll noch in diesem Jahr an den Start gehen und mit weltweit 95 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 34 Mrd.DM erzielen.Die Gewerkschaften vermuten, daß durch die Fusion etwa 2000 Arbeitsplätze gefährdet sind.

HMR-Betriebsratschef Weber erwartet spätestens am 16.März vom Hoechst-Management genaue Angaben.Dann tagt der Aufsichtsrat von Hoechst, der wiederum die Tagesordnung für die Hauptversammlung am 4.Mai festlegen muß.Dort sollen die Aktionäre über die Fusion mit RP zur neuen Aventis entscheiden.Am 26.Mai werden die Aktionäre des französischen Unternehmens zur Abstimmung gebeten.

Für Weber allerdings ist klar, daß die Fusion Arbeitsplätze kosten wird.Der derzeitige Vorstandschef von HMR und künftige Chef der Aventis-Pharma-Tochter Richard Markham hat den HMR-Mitarbeitern bereits in einem Brief an Weihnachten angedeutet, daß Werke geschlossen und Personal abgebaut werden müsse.Wo, wann und wieviel hat der Manager offengelassen.Zumindest für die 6000 Arbeitsplätze von HMR Deutschland sieht Weber vorerst nicht schwarz.In dem im Januar 1998 geschlossenen Standortvertrag sichert HMR zu, bis Ende 2002 niemand zu entlassen."Aber uns geht es natürlich auch um die Arbeitsplätze im Ausland", betont Weber, der derzeit in engem Kontakt mit den Betriebsräten aller Hoechst- und RP-Standorte in Europa steht.

Bei HMR in Deutschland wäre nach Ansicht von Weber ein weiterer Personalabbau aber kaum machbar."Wir arbeiten jetzt schon in allen Bereichen an der Kapazitätsgrenze, die Produktion ist schon ganz stark verdichtet".

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