Wirtschaft : "Alba ist im Wettkampf groß geworden"

DANIEL WETZEL

Berliner Recycling-Firma hat Generationswechsel gemeistert / Umsatzmilliarde erreichtVON DANIEL WETZELDer Generationswechsel in den Führungsetagen hinterläßt Spuren: Viele Unternehmen durchleben einen schmerzhaften Anpassungsprozeß, wenn junge Betriebswirtschaftler die charismatischen Firmengründer der Aufbaujahre ablösen.Nicht immer funktioniert der Übergang reibungslos, manchmal gefährdet der Bruch in der Führung sogar das Unternehmen selbst.Berlins großer Entsorgungskonzern Alba hat den Generationswechsel gemeistert.Der Tod des Unternehmensgründers und Vorstandsvorsitzenden Franz Josef Schweitzer vor vier Wochen wird von den Mitarbeitern des Ur-Berliner Betriebes noch immer schmerzhaft empfunden.Doch unternehmerisch kann sich Alba den Herausforderungen der Zukunft stellen - nicht zuletzt dank der frühzeitigen Weichenstellung des Firmengründers selbst. "Mein Vater hat meinen Bruder Axel und mich schon sehr früh in die unternehmerische Verantwortung einbezogen", sagt Alba-Vorstand Eric Schweitzer.Franz Josef Schweitzer, der den heute international tätigen Recycling-Konzern 1968 gegründet hatte, begann bereits 1995, sich aus den operativen Prozessen zurückzuziehen."Das Unternehmen war noch bis Ende der achtziger Jahre komplett auf seine Person zugeschnitten", erinnert sich sein Sohn Eric: "Aber nachdem sich die Unternehmensgröße versechsfacht hatte, war ihm klar, daß man dezentrale Führungsstrukturen braucht." Zudem sollten Probleme, wie sie der Kölner Gerling-Konzern erlebt hatte, vermieden werden: Die Gerling-Erben mußten rund 25 Prozent der Unternehmensteile verkaufen, um die nötige Liquidität für die Erbschaftssteuer aufzubringen."Dieses ist bei uns vorher - aufgrund der Weitsicht meiner Eltern oder meines Vaters - geregelt worden", sagt Eric Schweitzer: "Durch den Übergang von Kapitalanteilen wurde sichergestellt, daß dieses Unternehmen durch eine erbschaftssteuerliche Belastung nicht beeinträchtigt wird." Die frühe Dezentralisierung der Unternehmensleitung bewährte sich.Der Alba-Vorstand arbeitete schon bald so reibungslos, daß sich der Firmengründer - obgleich noch immer Vorstandschef - auf eine beratende Rolle zurückziehen konnte.Seine Söhne Eric und Axel können mit den Vorständen Dirk-Uwe Michaelis und Bernd Aido als gleichberechtigte Vorstandsmitglieder die Wachstumsstrategie des Vaters fortsetzen."Obwohl der Markt vom Umfang her rückläufig ist, hat Alba steigende Erfassungs- und Verarbeitungsmengen", bilanziert Eric Schweitzer: "Wir gewinnen also weiterhin Marktanteile dazu." Auch in diesem Jahr, so der Alba-Vostand zuversichtlich, "werden wir im Verdrängungswettbewerb in der Branche zu den Gewinnern gehören." Rund 5000 Alba-Mitarbeiter erwirtschaften zur Zeit in den 70 Tochterunternehmen des Konzerns einen Jahresumsatz von über einer Mrd.DM."Unser Ziel ist es, in fünf bis zehn Jahren zu den fünf größten Entsorgungsunternehmen Europas zu gehören", betont Schweitzer.Die Wachstumspotentiale liegen vor allem im Ausland: "Dort haben wir im vergangenen Jahr 15 Mill.Umsatz gemacht - und werden das in diesem Jahr wahrscheinlich verdoppeln und verdreifachen." Vor allem die 16 Tochtergesellschaften in Tschechien und Polen entwickelten sich hervorragend.Ziel sei es, allein in Osteuropa in den nächsten fünf Jahren zwischen 100 und 200 Mill.DM Umsatz pro Jahr zu machen."Das fordert eine extreme Aufbauarbeit." Von den rund 112 Mill.DM, die Alba in diesem Jahr investieren will, sollen mindestens 25 Prozent ins Ausland fließen.Der Auf- und Ausbau des strategisch wichtigen Osteuropa-Geschäftes liegt in den Händen seines Bruders.Axel Schweitzer leitet mit der Alba International ein "junges, kreatives und unheimlich engagiertes Team", freut sich Eric. Alba verfolgt trotz des harten Verdrängungswettbewerbs auch im Inland eine konsequente Wachstumsstrategie."Im Durchschnitt erwirbt die Alba-Gruppe pro Monat ein neues Unternehmen", überschlägt Eric Schweitzer."Dabei gelingt es uns, die Investitionen in der Regel durch reine Innenfinanzierung zu realisieren." Daß zu schnelles Wachstum ein Unternehmen auch überfordern kann, ist dem Alba-Vorstand bewußt: "Viele Unternehmen vergessen immer wieder, gelegentlich eine Konsolidierungsphase einzuziehen - den Fehler wollen wir nicht machen", betont Schweitzer. Zu den größten Projekten gehört 1998 der Bau einer Kompostierungsanlage, gemeinsam mit der Berliner Stadtreinigung BSR.Die Anlage in Berlin-Pankow wird eine Kapazität von 80 000 Tonnen haben - genug, um die gesamten Bioabfälle Berlins zu verarbeiten.50 Mill.DM kostet der Bau dieser wahrscheinlich größten Kompostierungsanlage Europas. Deutliche Zuwächse erwartet Alba auch von der seit 1.April geltenden Altauto-Verordnung.Nur zertifizierte Fachbetriebe dürfen seitdem die Verschrottung oder Verwertung von Alt-Pkw übernehmen."Mit unserem Demontage-Betrieb in Hellersdorf glauben wir, eine Anlage auf hohem Niveau zu haben", ist Schweitzer überzeugt.Das Marktpotential ist da: Von den 15 000 Altautos, die in Berlin jährlich außer Betrieb gesetzt werden, verarbeitet Alba zur Zeit etwa 2500."Wenn wir mittelfristig eine Verdoppelung erreichen, sind wir schon froh." Die Dynamik der Entwicklung hat für Eric Schweitzer "auch mit der Tradition dieses Unternehmens zu tun." Nach der Alba-Gründung im Jahre 1968 stand Franz Josef Schweitzer fast sofort in einem "extrem harten Kampf" mit der Stadt und den städtischen Entsorgern."Das hat dazu geführt, daß Alba von Anfang an auf Wettbewerb ausgerichtet wurde." Nichts drücke die wettbewerbsorientierte Firmenphilosopie und -kultur besser aus, als das Engagement des Unternehmens für die Basketballer von Alba Berlin.Auch dies gehört zu den Traditionen, die die Söhne des Unternehmensgründers begeistert fortführen."Denn Alba", sagt Eric Schweitzer und meint Team und Firma zugleich: "ist im Wettkampf groß geworden."

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