Alba nach China : Aus Müll wird Brennstoff

In einem Joint-Venture für acht Recyclinganlagen will das Berliner Unternehmen Hausmüll wiederverwerten.

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Weltklasse aus Moabit. Gut 90 Prozent der Gasturbinen aus Berlin gehen in den Export.
Weltklasse aus Moabit. Gut 90 Prozent der Gasturbinen aus Berlin gehen in den Export.Foto: dpa
Auf nach China: Alba-Vorstandschef Axel Schweitzer hat einen Zweitwohnsitz in Hongkong.
Auf nach China: Alba-Vorstandschef Axel Schweitzer hat einen Zweitwohnsitz in Hongkong.Foto: Thilo Rückeis

Gute Geschäfte mit Müll macht man am besten da, wo es viel Müll gibt. In China erhöht sich der durch private Haushalte aufgetürmte Abfallberg in den kommenden 15 Jahren vermutlich um mehr als 200 Prozent. Das Land ist groß, aber da die Chinesen rund 70 Prozent ihres Hausmülls auf Deponien lagern – in Deutschland gibt es das seit zehn Jahren nicht mehr –, ist irgendwann die Schmerzgrenze für die Umwelt erreicht. Das wissen die Chinesen, und deshalb kooperieren sie mit der Berliner Alba Group, um den Müll künftig zu nutzen. Allerdings ist ein derartiges Joint Venture auch Pflicht für ausländische Firmen, die auf dem chinesischen Markt tätig werden wollen.

In den kommenden fünf Jahren will Alba mit zwei chinesischen Partnern acht Recyclinganlagen bauen und mit der sogenannten Green-Fuel-Technologie ausstatten. Dabei wird aus dem Großteil des Abfalls Brennstoff: Mit verschiedenen Maßnahmen werden die Wertstoffe aus dem Abfall sortiert; dem Rest wird „im Trockner durch eine mit Abgas aus der Erdgasverbrennung befeuerte Trommel ein Großteil seiner Feuchtigkeit entzogen“; nicht brennbare Stoffe werde aussortiert, aus dem übriggebliebenen Material werden dann Pellets gepresst, die als Brennstoff in Kraftwerken eingesetzt werden können. In Berlin wird nach Angaben Albas gemeinsam mit der BSR heute schon mehr als ein Drittel des Restabfalls mit dieser Methode verwertet.

Für die geplanten Anlagen in China gründet Alba mit zwei Partnern ein Joint-Venture in Hongkong. „Das neue Projekt bestätigt uns in unserer Internationalisierungsstrategie“, freute sich Alba-Vorstandschef Axel Schweitzer, der inzwischen seinen Zweitwohnsitz in Hongkong hat. „Es zeigt, dass unser technisches Know- how weltweit führend und gefragt ist“, sagte Schweitzer.

Neben Guangdong Rising Assets Management ist auch die Zhongde Metal Group einer der Kooperationspartner. Dieser Zusammenschluss aus Firmen der Metallindustrie in der Provinz Guangdong arbeitete schon in der abgelaufenen Saison mit der Alba Group beim Basketballbundesligisten Alba Berlin zusammen. Die Chinesen hatten vor Saisonbeginn einen Dreijahresvertrag als Trikotsponsor abgeschlossen. Zudem hat die Zhongde Metal Group in diesem Jahr ein Büro in Berlin eröffnet, das in Deutschland um Mittelständler wirbt. Diese sollen sich in dem neu entstehenden Technologiezentrum Sino-German Metal Eco City in Jieyang, Guangdong, ansiedeln. Dort entsteht gegenwärtig auch die erste der acht Recycling-Anlagen des Joint-Ventures.

Im Mai hatte Alba bereits den größten Einzelauftrag in der Geschichte der Alba Group in China abgeschlossen. In Hongkong wird das Berliner Familienunternehmen nun eine Recyclinganlage für Elektronikschrott bauen. Zudem verantwortet die Alba Group gemeinsam mit einem Logistikpartner die Sammlung von Haushaltsgroßgeräten wie Fernsehern, Kühlschränken, Klimaanlagen, Waschmaschinen und Computern in der Stadt mit ihren derzeit mehr als sieben Millionen Einwohnern.

Die Alba Group beschäftigt mit den Marken Alba und Interseroh rund 8000 Mitarbeiter und erlöste zuletzt 2,45 Milliarden Euro. Der Preisverfall für Rohstoffe machte dem Konzern in den vergangenen Jahren stark zu schaffen.

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