Wirtschaft : Alba und Sulo zu stark für den Osten

Kartellexperten haben Bedenken bei Übernahme

-

Berlin - Vor der möglichen Übernahme des Entsorgungsunternehmens Sulo muss die Berliner Alba-Gruppe verschiedene Hürden nehmen. So erwarten Wettbewerbsexperten eine dominierende Marktstellung von Alba in Ostdeutschland und deshalb Auflagen des Kartellamts. Alba ist in Berlin und Ostdeutschland stark vertreten, Sulo im gesamten Bundesgebiet. „Im Osten wird es sehr große Probleme geben“, hieß es dazu im Umfeld des Kartellamts. Allerdings gebe es grundsätzlich „Gestaltungsmöglichkeiten“ im Rahmen einer Übernahme. Auch Alba-Chef Eric Schweitzer hatte, wie berichtet, mögliche kartellrechtliche Probleme eingeräumt und ferner betont, dass es bislang keine Gespräche mit Sulo oder den Sulo-Eigentümern gebe.

Sulo gehört den Beteiligungsfirmen Blackstone und Apax Partner, die sich angeblich von dem Unternehmen trennen wollen. Ein Sulo-Sprecher sagte am Dienstag, es gebe keine Verkaufspläne und schon gar keine Verkaufsgespräche mit Alba. Der Alba- Chef hatte zumindest Letzteres bestätigt: „Wir sind bei diesem Thema noch nicht angesprochen worden“, hatte Schweitzer dem Tagesspiegel gesagt.

Am Sinn einer solchen Übernahme wird indes in der Entsorgungswirtschaft nicht gezweifelt. Für die Krefelder Branchen- und Kartellexpertin Karin Gollan wäre eine Übernahme trotz Ostdeutschland „strategisch und kartellrechtlich machbar“. Sie sprach von einer „Aufholfusion“, weil Alba mit Sulo dadurch zum Marktführer Remondis aufschließen würde. Remondis hatte im Mai den Entsorgungsbereich von RWE übernommen und sich dadurch zumindest von Alba abgesetzt. Bereits im April hatte Sulo das Unternehmen Cleanaway gekauft. „Derzeit läuft der Integrationsprozess“, sagte ein Sulo-Sprecher auf Anfrage. Auch wegen dieser Integration sei eine weitere Fusion und/oder Übernahme aktuell eher abwegig.

Für den Fall der Übernahme wäre die Finanzierung eine große Herausforderung für Alba. Der mutmaßliche Kaufpreis von rund einer Milliarde Euro übersteigt den Jahresumsatz des Berliner Unternehmens. Aus dem Umfeld des Entsorgers heißt es, in der derzeitigen Sondierungsphase sei es noch viel zu früh, Finanzierungsmodelle zu entwerfen. Ob ein Börsengang zu den Möglichkeiten gehöre, sei damit ebenfalls offen.

Der Zwang zur weiteren Konzentration in der Branche ergibt sich nach Einschätzung von Gollan auch durch politische Rahmenbedingungen. Wenn beispielsweise eine Rücknahmeverpflichtung für Elektrogeräte eingeführt werde, brauchten die Hersteller solcher Geräte Partner für die gesetzlich vorgeschriebene Rücknahmeverpflichtung und Entsorgung. Und für die Hersteller sei dann ein flächendeckend in Deutschland tätiger Entsorger attraktiver als zahlreich regionale tätige Firmen. alf/mod

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben