Wirtschaft : Alba will in Polen an die Spitze

Berliner Entsorger übernimmt polnische Recyclingfirma / Interesse am türkischen Markt

Anselm Waldermann

Berlin - Das Berliner Wertstoffunternehmen Alba will massiv im Ausland wachsen. „Wir werden unseren Umsatz in Polen von 57 Millionen Euro bis 2009 auf 100 Millionen Euro steigern“, sagte Vorstandsmitglied Peter Kurth am Donnerstag in Berlin. Derzeit sei Alba auf dem polnischen Markt die Nummer drei. „Es ist gut möglich, dass wir 2009 die Nummer eins sind“, sagte Kurth. Als ersten Schritt der Expansionsstrategie hat das Unternehmen 70 Prozent an der polnischen Wertstofffirma Atol übernommen. Daneben plant Alba auch einen Markteintritt in der Türkei. „Bisher gibt es in der Türkei keine deutschen Anbieter im Wertstoffbereich“, sagte Kurth. „Wir wollen die ersten sein.“

In Polen ist Alba seit 1995 aktiv. In acht Gesellschaften beschäftigt das Unternehmen dort 870 Mitarbeiter. Durch den Erwerb von Atol wird sich Alba verstärkt um den Recycling-Markt für Papier kümmern. Schon heute macht Papier knapp die Hälfte der insgesamt 230000 Tonnen Wertstoffe aus, die Alba jährlich in Polen sammelt und aufbereitet. Mit Hilfe von Atol soll diese Menge um weitere 40000 Tonnen Papier pro Jahr wachsen.

Derzeit verfügt Alba in Polen über 22 Standorte, nun sollen bis Ende 2005 mindestens zehn weitere hinzukommen. Rund ein Achtel seines Umsatzes macht Alba im Ausland. Neben Polen ist das Unternehmen auch in Bosnien und der Slowakei aktiv. Insgesamt beschäftigt Alba mehr als 5000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist Sponsor des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin.

„Das Auslandsgeschäft gehört zu den wesentlichen Eckpfeilern unseres Wachstums“, sagte Kurth, der früher CDU-Finanzsenator in Berlin war. Polen sei besonders interessant, weil sich das Land für eine komplette Liberalisierung seines Abfallmarkts entschieden habe (siehe Kasten). „In Polen kann jeder Privathaushalt seinen Entsorger frei wählen“, erklärte Kurth. Entsprechend dynamisch sei der Markt.

Wachstum will Alba zum einen über Investitionen in innovative Umwelttechnik erreichen. Allein für das kommende Jahr sind hierfür in Polen acht Millionen Euro vorgesehen – unter anderem für moderne Sortieranlagen in Breslau, Chorzow und Kochlowice. „Zum anderen setzen wir aber auch auf den Kauf und auf die Neugründung von Recyclingunternehmen“, sagte Kurth. So sollen weitere Beteiligungen an Schrottplätzen eingegangen, Sammelsysteme neu aufgebaut und Verarbeitungskapazitäten erweitert werden.

Daneben prüft Alba auch ein Engagement in weiteren Ländern. „Wir sind sehr interessiert an der Türkei“, sagte Kurth. „Das Land passt sich unabhängig von einem EU-Beitritt an immer mehr EU-Regeln an“, erklärte er. Alba sei bereits mit mehreren Kommunen im Gespräch. Die Verhandlungen könnten sich aber noch bis ins nächste Jahr hinziehen. „Von uns aus kann es aber auch schneller gehen“, sagte Kurth. Langfristig sei auch eine Ausweitung der Geschäfte auf Bulgarien und Rumänien denkbar.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben