Wirtschaft : Alcatel SEL beruhigt Aktionäre

Vorstand erwartet operativen Gewinn / Doch weiter straffer Kurs

STUTTGART (dpa/rtr). Das angeschlagene Stuttgarter Elektronikunternehmen Alcatel SEL AG will nach drei Jahren in der Verlustzone 1997 wieder einen operativen Gewinn erzielen.Vorstandschef Roland Mecklinger sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Stuttgart: "Das operative Ergebnis wird zum Jahresende deutlich positiv sein." Der Umsatz soll um 10 Prozent auf über 5 Mrd.DM steigen.
Im 1.Quartal des laufenden Jahres hat die Tochtergesellschaft des französischen Alcatel Alsthom-Konzerns einen Umsatzzuwachs von 28 Prozent eingefahren.Für das 1.Halbjahr rechnet Mecklinger mit einem Umsatzplus von 15 Prozent und schloß nicht aus, daß das Unternehmen bereits für diesen Zeitraum ein positives operatives Ergebnis ausweisen könnte.Das Wachstum komme überwiegend aus Aufträgen der Deutschen Telekom, sagte er, während sich die Umsätze in den Mobilfunk- und Verteidigungssparten rückläufig entwickelten. Die Alcatel SEL AG hatte 1996 bei einem Umsatz von 4,84 Mrd.DM ein Minus von 100 Mill.DM im operativen Bereich und einen Verlust von 665 Mill.DM ausgewiesen.Der Verlust wurde aufgrund eines Beherrschungsvertrages voll von der neu gegründeten Alcatel Deutschland GmbH übernommen.Die Aktionäre erhalten eine Garantiedividende von 10,60 DM je 50-DM-Aktie.
Mecklinger verteidigte erneut die geplante Schließung des Mannheimer Werks mit rund 400 Beschäftigten.Auf dem Markt für Verteidigungstechnik hätten sich dramatische Veränderungen ergeben, die 1995 noch nicht erkennbar gewesen seien.Eine Vertreterin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) warf ihm Vertrauensbruch vor, der auch dem Image des Unternehmens schade.Alcatel SEL will die Zahl der Mitarbeiter bis Ende 1997 auf 13 700 Beschäftigte senken.Vor einem halben Jahr standen noch knapp 16 000 Mitarbeiter auf der Lohn- und Gehaltsliste des Unternehmens.Von den Kürzungen ist, wie berichtet, auch Berlin betroffen, wo im Fernmeldeanlagenbau und im Softwaretestzentrum insgesamt über 200 Stellen wegfallen sollen.
Das straffe Kostenmanagement müsse auf allen Ebenen fortgesetzt werden, sagte Mecklinger."Mit permanenter Produktivitätssteigerung müssen wir einem jährlichen Preisverfall von 10 Prozent entgegentreten." Zudem müsse man sich darauf einstellen, daß die Telekom nach Abschluß der Digitalisierung 1998 weniger Vermittlungssysteme benötigt als bisher.

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