Wirtschaft : Alcatel zieht die Branche nach unten

PARIS (rtr).Der französische Elektronikkonzern Alcatel hat am Donnerstag mit einer Gewinnwarnung die Aktienkurse der gesamten Branche unter Druck gesetzt.Die Krisen in Rußland und Asien belasteten das Betriebsergebnis des laufenden Jahres, teilte der Konzern am Donnerstag in Paris mit.Die Ergebniserwartungen könnten deshalb vermutlich nicht erfüllt werden.An der Pariser Börse wurde der Handel mit den Alcatel-Aktien am Morgen ausgesetzt.Europaweit bewirkte die Gewinnwarnung unter den führenden Unternehmen der Branche, wie Siemens, GEC oder Philips hohe Kursverluste.

Alcatel hatte angekündigt, der Reingewinn könne 1998 zwar aufgrund von Konzernumstrukturierungen auf einen Rekordwert klettern, das Betriebsergebnis werde aber unter den Erwartungen der Analysten zurückbleiben.Unter den sich vertiefenden Krisen in Asien und Rußland leide vor allem das Kern-Geschäft mit Telekommunikationsgeräten, sagte Alcatel-Chef Serge Tchuruk.Zudem hätten wichtige Telefongesellschaften wie die Deutsche Telekom oder France Telecom Aufträge reduziert.Branchenkenner hatten der Alcatel-Telekommunikationssparte für 1998 einen Betriebsgewinn von 5,5 bis sechs Mrd.Franc prognostiziert.

Der Konzernumsatz werde im Gesamtjahr zwar vermutlich um zehn Prozent auf 131 Mrd.Franc (rund 39,1 Mrd.DM) steigen, erklärte Tchuruk.Ohne die Auftragsrückgänge und die Krisen in Asien und Rußland könnte der Umsatz aber um zehn Prozent höher ausfallen.

Im außerbörslichen Geschäft gab der Kurs-der Alcatel-Aktien nach der Ankündigung bis zum Mittag um rund 35 Prozent nach.Europaweit löste die Gewinnwarnung unter den Titeln der in der Telekombranche engagierten Firmen kräftige Verluste aus.Bis zum Nachmittag gaben Siemens, die erst kürzlich die Schließung ihres Halbleiter-Werkes in Großbritannien bekannt gegeben hatten, um fast zehn, Ericsson um neun, GEC um gut acht und Philips um fast acht Prozent nach.Der Branchenanalyst Nikos Theodosopoulos von Warburg Dillon Read hatte erst jüngst vor der Unsicherheit der Märkte in Südamerika und Asien gewarnt.

Der schwedische Elektronikkonzern Ericsson erklärte, er teile die Einschätzung seines französischen Konkurrenten bezüglich der Asien-Krise nicht.Mit der Gewinnwarnung habe Alcatel lediglich eine subjektive Einschätzung der Lage gegeben.Im ersten Halbjahr hätten die Verluste durch die Krise in Südostasien komplett über Zuwächse in China ausgeglichen werden können.

Auch die deutsche Softeware-Schmiede SAP geriet unter starken Druck.Hier machten Gerüchte über ein schwaches drittes Quartal die Runde.

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