Wirtschaft : Aldi gegen den Rest der Welt

HEIKE JAHBERG

Es gibt Dinge, die ein Aldi-Kunde nicht braucht.Dallmayr-Kaffee zum Beispiel oder Iglo-Schlemmerfilets."Wir können auch anders", sagen sich die Aldi-Einkäufer seit jeher.Und stellen "Markus"-Kaffee ins Regal oder legen "Eskimo"-Fischstäbchen in die Truhe.Bei den Stammkunden kommt das gut an.Eingefleischte Fans sind überzeugt: Die Aldi-Marken schmecken nicht schlechter als das "überteuerte Markenzeug".Das mag nicht immer so sein, aber manchmal eben doch.Denn hinter vielen Aldi-Waren stecken Markenartikler.Die lassen ihre Bänder für den Discounter laufen - und kleben dann Etiketten mit Phantasienamen drauf.

Nun sollen auch noch die letzten offiziellen Markenprodukte aus den Regalen verschwinden.Nestlé, Ritter, Haribo, Stollwerck oder Kelloggs können künftig bei Aldi nur noch dann landen, wenn sie bereit sind, auf ihren Namen zu verzichten und mit den Preisen runterzugehen.Keine Frage: Ein "Natts"-Schokoriegel ließe sich billiger einkaufen als das "Nuts"-Original.

Für die Lieferanten, deren Umsätze in Gefahr sind, ist das ein schwerer Schlag.Für die Kunden weniger.Denn Aldi und die Aldi-eigenen Marken sind längst Kult.Ob Computer, Note-Book oder spanischer Rioja - wie im Schlußverkauf stehen die Leute an den Aktionstagen frühmorgens vor den Ladentüren Schlange.Selbst Gutbetuchte sind sich nicht zu schade, ihre Einkaufswagen mit Kisten von Aldi-Champagner oder Entenbrüsten vollzuladen, wenn der um ein paar Mark heruntergesetzt wird.Und für welchen anderen Laden gibt es Kochbücher, in denen ausschließlich mit Eigenware gebrutzelt wird?

Nein, Nestlé und Co.können sich noch so sehr grämen, Aldi ist ihnen über.Die Großen sind aus dem Geschäft, es sei denn, sie passen sich an.Mit "Britta Sport" oder so.



Aldi rangiert Markenprodukte aus



Folge des harschen Wettbewerbs (rtr)





Die Discountkette Aldi will offenbar alle Markenartikel aus ihrem Sortiment ausschließen.Die Nestlé-Gruppe bestätigte dies am Freitag, machte aber keine Angaben zu den damit verbundenen Umsatzeinbußen.Die "Lebensmittel Zeitung" hatte berichtet, Aldi wolle alle Markenartikel aus dem Sortiment auslisten.Betroffen sei ein Umsatzvolumen von weit über 100 Mill.DM.Aldi selbst wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Vor allem Süßwaren sind von den Maßnahmen des Niedrigpreisanbieters betroffen, hieß es.Haribo erklärte, der Bericht des Fachmagazins "stimme so nicht".Nähere Angaben machte das Familienunternehmen aber nicht.Der Kölner Süßwarenhersteller Stollwerck erklärte, er mache über Aldi einen "bedeutenden Umsatz".Zur Höhe wurden aber auch hier keine Angaben gemacht.Stollwerck produziert allerdings nicht nur Markenware, sondern auch in größerem Umfang Produkte, die unter Eigennamen von Aldi verkauft werden.Dem Bericht zufolge sind von der Auslistung auch der US-Lebensmittelhersteller Kellogg sowie die Süßwarenproduzenten Ritter und Storck betroffen.Die Ursache für die Entscheidung gegen Markennamen wird dem Bericht zufolge im verschärften Preiskampf mit anderen Discountern gesehen.Aldi, so hieß es, wolle sich damit dem direkten Preisvergleich bei Markenartikeln entziehen.

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