Wirtschaft : Aldi und Lidl stoßen an ihre Grenzen

Mit ständigen Preissenkungen versuchen die Discountmärkte, sich gegenseitig Kunden abzujagen – Penny und Plus profitieren

Anselm Waldermann

Berlin - Der Siegeszug der Discounter Aldi und Lidl scheint gestoppt. Der Markt für Billig-Lebensmittelhändler wächst kaum noch. Deshalb versuchen alle Anbieter, sich mit Super-Billigpreis-Angeboten und dicken Werbebudgets gegenseitig Kunden abzujagen. Doch während sich Penny, Plus und Netto im härter gewordenen Konkurrenzkampf behaupten, gehören die Schwergewichte Aldi und Lidl zu den Verlierern. So machte Aldi im September nach einem Bericht der „Lebensmittel-Zeitung“ flächenbereinigt drei Prozent weniger Umsatz als vor einem Jahr, bei Lidl betrug das Minus sogar sechs Prozent.

Noch vor wenigen Monaten galten die Billiganbieter als die Wachstumsbranche schlechthin. Während andere Einzelhändler über sinkende Nachfrage klagten, konnten die Discounter teilweise zweistellige Zuwachsraten verzeichnen. So ist die Zahl aller Billiggeschäfte von 10 900 im Jahr 1993 auf derzeit 14 000 gestiegen.

Nun ist das stürmische Wachstum vorbei. So geht der Marktbeobachter AC Nielsen davon aus, dass der Marktanteil der Discounter am Gesamtumsatz des Lebensmitteleinzelhandels in diesem Jahr von 38,5 Prozent nur noch leicht auf „knapp unter 40 Prozent“ steigen wird. „Der Wettbewerb unter den Discountern ist schärfer geworden“, sagte Fred Otto, Einzelhandelsexperte von AC Nielsen, dem Tagesspiegel. „Die nehmen sich gegenseitig die Butter vom Brot.“

Ein Ausdruck des verschärften Wettbewerbs seien die Werbeausgaben der Discounter: Nach Erhebungen von Nielsen Media Research sind sie in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Auch die Preissenkungen der jüngsten Zeit deuten darauf hin: So hat Aldi vor allem Kaffee und Fleisch erheblich verbilligt.

Doch bisher konnte der Discount-Riese von diesen Maßnahmen nicht profitieren. Zwar ist er immer noch der unangefochtene Marktführer, doch die Konkurrenten machen Boden gut. „Penny, Plus und Netto haben ihr Geschäft erfolgreich restrukturiert“, sagte der Marketingleiter der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Wolfgang Twardawa, dem Tagesspiegel. „Gute Verkaufsflächen wurden ausgebaut, schlechte hingegen geschlossen.“

Damit hätten die Kleinen eine bessere Entwicklung vorzuweisen als die Großen Aldi und Lidl. Denn die hatten in der Vergangenheit nur auf immer neue Standorte gesetzt. „Inzwischen ist die Republik mit Discountern zugepflastert“, sagte Twardawa. „Natürlich bringen Neueröffnungen nun nicht mehr so viel wie noch vor fünf Jahren.“

Dem stimmt auch Volkhardt Klöppner von der Managementberatung BBDO Consulting zu: „Es gibt keine interessanten neuen Standorte mehr, der Markt ist gesättigt.“ Wenn die Discounter weiter wachsen wollten, könnten sie dies nur noch im Ausland tun.

Als weiteren Grund für das Minus bei Aldi und Lidl im deutschen Geschäft führen die Experten das rückläufige Geschäft mit Non-Food-Artikeln an. Noch vor kurzem konnten die Discounter gerade in diesem Bereich punkten: Computer, Spargeltöpfe oder Kaffeemaschinen von Aldi waren durchaus gefragt. Doch auch das ist nun vorbei: „Die Nachfrage ist befriedigt“, sagte Twardawa. „Schließlich hat inzwischen fast jeder einen Computer zuhause.“ Und falls doch einmal ein Neukauf ansteht, gehen die meisten Kunden wieder in entsprechende Fachgeschäfte oder Warenhäuser. „Die sind mittlerweile ebenfalls sehr günstig geworden“, sagte Twardawa. „Es gibt nicht mehr viele Gründe, sich einen PC bei Aldi zu kaufen.“

Daneben gibt es auch Anzeichen für ein wieder gestiegenes Qualitätsbewusstsein der Kunden. „Marken werden für viele wieder interessanter“, sagte Klöppner von BBDO Consulting. „Einige Kunden wenden sich deshalb von den Discountern ab.“ Auch eine Studie des Verbands der Markenhersteller zeigt: Der Abwärtstrend des Markengeschäfts hat sich mittlerweile verlangsamt, das Minus liegt nur noch bei 0,5 Prozent.

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