Wirtschaft : Aldi verschärft den Druck auf Lidl

Der Discounter bietet jetzt auch in Berlin Frischfleisch an – und versucht damit, Marktanteile zu retten

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Berlin (pet). Aldi weitet sein SBFrischfleisch-Angebot jetzt auch auf Berlin aus – und erhöht damit den Druck auf den größten Konkurrenten Lidl. Vom heutigen Mittwoch an testet Aldi Nord unter dem Namen „Bauernglück“ auch in Berliner Filialen sieben verschiedene Produkte, wie aus der Eigenwerbung des Unternehmens hervorgeht. In vier weiteren Testregionen gibt es das Angebot schon seit dem Frühjahr. Aldi Nord war am Dienstag nicht zu einer Stellungnahme bereit.

SB-Frischfleisch gibt es in Deutschland bei Discountern schon länger. Penny (ReweGruppe) und Plus (Tengelmann) verkaufen diese Produkte schon seit rund zweieinhalb Jahren, Netto die SB-Ware noch länger an. Aldis Hauptkonkurrent Lidl bietet seit Februar dieses Jahres verpacktes Frischfleisch an – und setzte Aldi damit unter Zugzwang. „Die Konkurrenz hat Aldi nervös gemacht“, sagt Paul Michels vom Marktforschungsinstitut ZMP. Aldi, bislang unangefochtene Nummer eins unter den Discountern, verliere ohnehin Kunden an Lidl, der mehr frische Produkte im Angebot habe als der Marktführer. Aldi Nord reagierte – und bietet seit April in rund 300 der 2300 Filialen ebenfalls SB-Frischfleisch an, darunter auch in der Essener Stammregion. Wie viele Filialen in Berlin nun hinzukommen, ist nicht bekannt.

Schon wenige Monate nach dem Einstieg von Lidl und Aldi in den Frischfleischverkauf haben die Discounter den Supermärkten Marktanteile abgeknöpft. Bei abgepacktem Fleisch, das inzwischen ein Drittel des Gesamtmarktes ausmacht, ist der Marktanteil der Billigketten nach Auskunft des ZMP-Experten Michels von 13 Prozent im Januar auf 23 Prozent im Mai gestiegen. Der Anteil der Supermärkte sank im gleichen Zeitraum von 70 auf 59 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Discounter weiter wachsen wird“, sagte Michels. Wie stark das sein wird, hängt nach Meinung von Branchenbeobachtern entscheidend davon ab, ob Aldi sich entscheiden wird, sein SB-Frischfleischangebot künftig flächendeckend anzubieten. Die Erweiterung des Testmarktes auf Berlin ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Noch kaufen die meisten Verbraucher ihr Fleisch allerdings im Supermarkt oder im Fachgeschäft. Aldi, Lidl & Co decken gerade zwölf Prozent des gesamten Frischfleischmarktes ab. Das ist vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass Verbraucher hier zu Lande schon 40 Prozent ihrer Wurst und rund die Hälfte ihres Käses und ihrer Milch im Discounter besorgen. Marktforscher Michels rechnet damit, dass die Billigketten auch beim Fleisch noch kräftig zulegen werden. „Ein Drittel Fleischanteil der Discounter ist mittelfristig realistisch.“ Auch ein Sprecher des Produzenten Nordfleisch sagt, der Anteil könnte sich innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre „schnell verdoppeln bis verdreifachen“.

Die Fleischproduzenten stellen sich auf den schnell wachsenden Markt ein – und investieren massiv in die SB-Produktion. Sie hoffen, mit der verpackten Ware sogar mehr Geld zu verdienen als mit dem Verkauf von Schweine- und Rinderhälften. „Bei der SB-Produkten haben wir eine höhere Wertschöpfung“, sagt der Nordfleisch-Sprecher.

Tatsächlich sind die Preise für das fertig verpackte Aldi-Fleisch überraschend hoch. So kostet das Kilo Schweinefilet etwa 9,99 Euro. Kampfpreise gibt es dagegen beim Hackfleisch. Den Einführungspreise von 1,69 Euro für das halbe Kilo gemischtes Hack, ursprünglich zehn Cent unter dem Lidl-Preis, hat Aldi Nord gehalten – die Wettbewerber haben ihre Preise inzwischen ebenfalls auf 1,69 Euro abgesenkt.

ZMP-Experte Michels geht davon aus, dass sich der durchschnittliche Fleischpreis durch die wachsende Konkurrenz der Discounter kurzfristig nicht verändern wird, auf längere Sicht allerdings schon. „Fleisch ist ein sensibles Produkt“, sagt Michels. „Dadurch, dass es im Discounter verkauft wird, wird das Image nicht besser.“ Und das, so meint der Marktforscher, könnte langfristig ungünstig für die Preise sein.

Verbrauchermärkte sehen die Entwicklung gelassen. „Das beunruhigt uns nicht“, sagt Metro-Sprecher Albrecht von Truchsess. Auch eine Sprecherin der Berliner Reichelt-Märkte sagt: „Wir warten erstmal ab.“

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