Alexander Falk : Der einstige Star muss vier Jahre hinter Gitter

Es ist das bislang größte Wirtschaftsverfahren der Hansestadt Hamburg: Der Prozess um den einstigen Internet-Unternehmer und Börsenstar Alexander Falk. Der wurde jetzt zu vier Jahren Haft verurteilt, wegen Betrugs und Bilanzfälschung.

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Alexander Falk (links) und sein Anwalt Thomas Bliwier. -Foto: dpa

HamburgNach mehr als drei Jahren Prozessdauer verkündete das Landgericht Hamburg am Freitag sein Urteil im Fall Alexander Falk: Die Richter hielten ihn für schuldigt und verhängten vier Jahre Haft. Der Verlagserbe und vier ebenfalls verurteilte Ex-Manager sollen den Wert von Falks Firma Ision durch Scheingeschäfte künstlich in die Höhe getrieben haben, um einen weit überhöhten Verkaufspreis zu erzielen. Das britische Unternehmen Energis kaufte Ision Ende 2000 für 762 Millionen Euro. Die Anklage bezifferte den Mindestschaden für Energis auf rund 37 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft ging von einem vollendeten Betrug aus und forderte fünf Jahre und neun Monate Haft für Falk. Die Verteidiger wollten einen Freispruch. Falks Anwalt Thomas Bliwier hatte bereits in seinem Plädoyer angekündigt, er rechne nicht mit einem Freispruch und werde bei einem Schuldspruch Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Die dicke Akte Falk

Auch der 38-jährige Falk betonte immer wieder, das Landgericht nur als Durchgangsstation zu sehen. Während des Verfahrens hatte Falk 22 Monate in Untersuchungshaft gesessen, bis er dann im April 2005 unter strengen Auflagen von der Haft verschont wurde.

Die vier Mitangeklagten wurden zu Strafen zwischen zweieinhalb Jahren und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.  Der Prozess war im Dezember 2004 unter großem Medieninteresse eröffnet worden. Bereits zu Verhandlungsbeginn umfasste die Akte Falk rund 700 Ordner von jeweils bis zu 250 Seiten, benannte die 283-seitige Anklageschrift 76 Zeugen, 369 Urkunden und 6 Gutachten. Im April 2005 war der Verlagserbe unter strengen Auflagen aus der fast zweijährigen Untersuchungshaft entlassen worden. Bis zum Urteil war das Verfahren auf mehr als 150 Verhandlungstage angewachsen.

Blütezeit Neuer Markt

Falk galt im Jahr 2000 als einer der Stars des Neuen Marktes. Sein Vater hatte den gleichnamigen Stadtplan-Verlag gegründet, den der Sohn 1995 im Alter von 26 Jahren erbte. Er verkaufte das Unternehmen für rund 25 Millionen Euro. Falk investierte unter anderem in die Schweizer Holding Distefora und den Internet-Dienstleister Ision. Das ganze Firmenimperium brach mit dem Niedergang des Neuen Marktes zusammen. (sgo/dpa/ddp)

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