Wirtschaft : Algroup, Alcan und Pechiney bilden den weltgrößten Aluminiumkonzern

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Neuer Höhepunkt des weltweiten Fusionsfiebers - der Zusammenschluss soll in sechs Monaten perfekt seinpf

Das weltweite Fusionsfieber hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Mit der Dreierfusion von Algroup, Alcan und Pechiney entsteht der größte Aluminiumkonzern der Welt. Die drei Konzerne bestätigten am Mittwoch den geplanten Zusammenschluss zum neuen Giganten mit 91 000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 21,6 Mrd. Dollar. In nur sechs Monaten soll die Fusion perfekt sein. Der Konzern mit dem vorläufigen Namen A. P. A. wird seinen Sitz in Montreal haben, die Konzernleitung dagegen in New York angesiedelt sein.

Die Fusion bedarf noch der Zustimmung der Aktionäre aller drei Firmen sowie der Wettbewerbsbehörden. Weltweit soll der Zusammenschluss der Schweizer Algroup mit der französischen Alcan und der kanadischen Pechiney rund 4550 Stellen kosten. An die A. P. A.-Spitze rückt zunächst Alcan-Topmanager Jacques Bougie. Er soll in rund zwei Jahren vom Pechiney-Präsidenten Jean-Pierre Rodier abgelöst werden.

In einer gemeinsamen Erklärung teilten die neuen Partner mit, nach der Fusion werde A. P. A. in der Autoindustrie sowohl in Nordamerika als auch in Europa führend sein. Auch in der Luftfahrt werde das Unternehmen zu den Marktführern gehören. Bei Dosenblechen werde A. P .A. zu den bedeutendsten Industriegrößen zählen. Die globale Führungsposition werde der neue Konzern auch bei flexiblen und Spezialverpackungen einnehmen, mit einem hochgerechneten Umsatz von 4,2 Mrd. Dollar für 1998. Mit dem fusionierten Verpackungsgeschäft werde A. P .A. unter anderem in den Bereichen Pharmaindustrie, Körperpflegeindustrie oder auch Kosmetikindustrie die Nummer eins sein.

Die A. P .A. erwartet von dem Zusammenschluss jährliche Kosteneinsparungen von über 600 Mill. Dollar. "Dieser Stand dürfte 24 Monate nach Abschluss der Fusion bereits erreicht werden", hieß es in der Erklärung. Ein beträchtlicher Anteil der Einsparungen werde in den Bereichen Vertrieb, Verwaltung und Einkauf anfallen. Dazu kämen Optimierungen in der Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion.

Die Dreifachfusion soll durch zwei unabhängige Umtauschangebote abgewickelt werden. Der neue Gigant soll danach zu 44 Prozent von den Aktionären der französischen Alcan, zu 29 Prozent von den Eignern der kanadischen Pechiney und zu 27 Prozent von den Algroup-Aktionären gehalten werden.

Die geplante transatlantische Fusion spielt sich vor dem Hintergrund jahrelang schwacher Preise und erheblicher Überkapazitäten ab. Die neue Alcan-Pechiney-Algroup wird dem bisherigen Branchenführer, der amerikanischen Alcoa Inc., härtere Konkurrenz machen als die drei Einzelfirmen. Alcoa hatte im vergangenen 15,5 Mrd. Dollar umgesetzt und trotz schwächster Preise für Aluminium seit Jahren 853 Mill. Dollar verdient. Alcoa ist das große Vorbild der gesamten Branche. Die Gesellschaft hat sich mit drastischen Sparmaßnahmen, einer Produktionsoptimierung und strategisch gelungenen Firmenaufkäufen eine gute Position verschafft.

Darauf haben die drei A. P. A.-Partner jetzt mit ihrer Fusionsankündigung reagiert. Sie verdrängen Alcoa auf den zweiten Platz. Die Amerikaner haben am Mittwoch zum Gegenschlag ausgeholt: Sie unterbreiteten der Reynolds Metals Co ein Übernahmeangebot im Wert von 5,6 Mrd. Dollar. Bei Erfolg würde Alcoa wieder die Numer eins. Das Alcoa-Angebot könnte jedoch von der Kartellbehörde in Washington blockiert werden. Im Juni 1997 hatte Alcoa Pläne zum Kauf von einer Million Reynolds-Aktien fallen gelassen, nachdem die Antitrustbehörde mit einem Verfahren gedroht hatte.

Aber auch andere Aluminiumhersteller wie die deutsche Viag mit ihrer Aluminiumtochter VAW, die norwegische Norsk Hydro und die niederländische Hoogovens könnten in Zugzwang geraten, um nicht gegenüber den beiden Alu-Riesen ganz ins Hintertreffen zu geraten. Viag war bei der Algroup nicht zum Zug gekommen und dürfte deshalb auf der Suche nach alternativen Partnern sein.

Die Wettbewerbshüter in Brüssel und Washington werden sich den geplanten Dreierverbund ganz genau ansehen, da sich die Einzelfirmen in vielen Produktbereichen und Märkten überschneiden. Der geplante Zusammenschluss kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Die Aluminiumpreise haben sich von ihrem Fünfjahrestief erholt und ziehen wieder an.
© 1999

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