Wirtschaft : Alice beschwert sich über die Telekom

Telefonanbieter wehrt sich gegen Kündigungsfristen

Corinna Visser

Berlin - Der Wettbewerb um neue Kunden für schnelle Internetanschlüsse läuft auf Hochtouren. Doch nicht alle Kunden können ihren DSL-Anbieter auswählen wie sie wollen. „Wir beobachten eine steigende Zahl von Kunden, die einen Antrag bei uns abgeben, aber gar nicht wechseln können“, sagt Harald Rösch, Geschäftsführer von Hansenet. Schuld sind lange Vertragslaufzeiten.

So hat etwa der Marktführer Deutsche Telekom mit den stark beworbenen „Call & Surf-Tarifen“ im vergangenen Jahr auch Vertragslaufzeiten von 24 Monaten eingeführt. Normale Telekomanschlüsse haben eine Kündigungsfrist von sechs Werktagen. Wer aber auf die neuen Tarife umgestiegen ist, kann nun frühestens 2009 wechseln. „Wir haben bei der Bundesnetzagentur Beschwerde gegen die Mindestvertragslaufzeiten bei den Produkten der Telekom eingelegt“, sagte Rösch im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Es muss das Ziel sein, den Markt im Sinne der Verbraucher offenzu - halten.“ Die langen Laufzeiten erschwerten den Kunden den Wechsel und behinderten den Wettbewerb. „Das ist unserer Ansicht nach nicht zulässig“, beklagt Rösch.

Bei Hansenet, die ihre Produkte unter dem Namen „Alice“ vermarktet, können Kunden vier Wochen zum Monatsende kündigen. Andere Wettbewerber haben zwar ebenfalls längere Vertragslaufzeiten. Doch da die Telekom immer noch den Markt beherrscht, mit einem Anteil von rund 80 Prozent der Telefonanschlüsse und etwa der Hälfte der DSL-Anschlüsse, sind die geänderten Konditionen für alle anderen besonders ärgerlich. Eine Antwort der Bundesnetzagentur steht noch aus.

In Berlin sieht sich Hansenet weiter auf Erfolgskurs. Aktuell hat das Unternehmen hier 325 000 Kunden. Anfang 2007 waren es 185 000 gewesen, Ende des Jahres 310 000. „Berlin wird Hamburg als unsere wichtigste Stadt bald ablösen“, sagt Rösch. In Hamburg, wo das Unternehmen seine Heimat hat, sind es aktuell mehr als 400 000 Kunden. Bei breitbandigen Internetanschlüssen sieht sich Hansenet in der Hauptstadt hinter der Telekom auf dem zweiten Platz – und damit vor Konkurrenten wie Arcor oder Versatel.

Ende vergangenen Jahres hatte es bei Hansenet und anderen viel Ärger gegeben, weil Kunden viele Wochen, sogar Monate auf einen Anschluss warten mussten. Die Bearbeitungszeiten bei der Telekom, die die Anschlüsse umschalten muss, waren immer länger geworden. Inzwischen habe sich die Situation entspannt, auch in Berlin,wo es zu extremen Verzögerungen gekommen sei: „Es geht wieder besser. Die Zahl der Mahnungen an die Telekom ist massiv gesunken“, sagt Rösch. „Bald werden wir wieder bei einer Frist von durchschnittlich 15 Tagen sein.“ Insgesamt verliere die Telekom aber auch weniger Anschlüsse, sagt Rösch. „Die Telekom hat an Wettbewerbsstärke gewonnen.“ Der Hansenet- Chef rechnet nicht damit, dass die Preise für DSL in diesem Jahr noch weiter so dramatisch fallen werden wie zuletzt. „29,90 Euro haben sich international als Untergrenze durchgesetzt.“

Dass auch der eigene Service besser werden muss, gibt Rösch zu. Das Ziel sei, Kunden möglichst binnen einer Minute einen Ansprechpartner bei der Hotline zu bieten. Die tatsächlichen Wartezeiten sollen auf einer Internetseite angezeigt werden. Wie viele Kunden Hansenets neuer Werbeträger, der US-Schauspieler Brad Pitt, gebracht hat, konnte Rösch nicht sagen, nur so viel: „Mit Brad Pitt sind wir sehr zufrieden.“ Corinna Visser

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