Wirtschaft : Allah ist überall

Tewe Pannier

Allah ist mächtig! Und mächtig präsent. An ihm kommt in Arabien keiner vorbei, auch nicht als Christ. Der Tag beginnt im Büro von Khaled, der Millionen Dirham mit Telefonservices verdient hat. Auf dem Schreibtisch das Set von Montblanc, ferner Taschenrechner, Laptop und einige Papiere. Mittendrin ein großes Buch in grünem Leder. Der Koran. Man stelle sich vor: eine Schmuckbibel auf einem Schreibtisch in einem Managerbüro am Potsdamer Platz.

Später im Supermarkt. Ich brauche deutsches Schwarzbrot, libanesischen Frischkäse, syrische Oliven, indische Gewürze und Speck vom Schwein aus der Nicht-Moslem-Abteilung. Aus den Lautsprechern rieseln Suren des Koran. Man stelle sich vor: bei Reichelt um die Ecke Psalme statt Supermarktgedudel.

Dann will ich im Reisebüro einen Flug in den Oman buchen. Der Agent ist aber gerade Beten. Ich kenne das schon und auch die Hinweisschilder einen Stock höher im Einkaufscenter: „Herren“ und „Beten für Herren“ steht da. Man stelle sich ein Geschäft am Kurfürstendamm vor: Warten auf einen Verkäufer, weil der kurz in die Kapelle um die Ecke musste.

Abends Einladung auf die Pferderennbahn. Aufgebrezelte Engländerinnen in Stöckelschuhen und pakistanische Geschäftsleute in Dreiteilern mit Einstecktuch sind auf dem Weg zu den Ehrenlogen. Direkt vor den Tribünen liegen einige hundert Männer meist in weißen Gewändern auf den Knien und verbeugen sich rhythmisch in Richtung Mekka. Man stelle sich vor: In Hoppegarten... Nein, das übersteigt die Vorstellungskraft.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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