Wirtschaft : „Alle Abgänger finden einen Job“

Frau Schavan, wir erleben derzeit einen kräftigen Aufschwung und trotzdem fehlen auch in diesem Jahr zahlreiche Ausbildungsplätze. Wie passt das zusammen?

Es gibt die Lücke noch. Das stimmt. Das liegt aber daran, dass sich nicht nur Schulabsolventen aus dem aktuellen Jahrgang bewerben, sondern wir auch immer eine hohe Zahl an Bewerbern aus den Vorjahren haben, die bisher nichts gefunden hat.

Mit wie vielen unversorgten Jugendlichen rechnen Sie am Ende dieses Jahres?

Ich gehe davon aus, dass alle Jugendlichen, die in diesem Jahr ihren Schulabschluss gemacht haben, auch einen Einstieg in den Beruf finden werden. Daneben wird es noch eine unbestimmte Zahl an Altbewerbern geben, die anders versorgt werden müssen.

Was tun Sie für diese Altbewerber?

Die Bundesregierung hat zum Beispiel die Mittel für 40 000 Einstiegsqualifikationen bereitgestellt. Es hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der Absolventen nach einem Jahr Berufserfahrung in einem Unternehmen direkt mit einer Ausbildung weitermachen konnte. Und wir haben auch Programme für jugendliche Migranten, weil sie auch einen großen Teil der Altbewerber ausmachen. Wir haben beispielsweise ausländische Unternehmer angesprochen und in ihren Betrieben die strukturellen Bedingungen vereinfacht, damit sie überhaupt oder zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten können. Von der Vielzahl dieser Programme erhoffen wir uns, dass wir bis 2009 die große Gruppe der Altbewerber in Ausbildung und Qualifizierung bringen können.

Sie haben kürzlich auch die 80 im Dax und im M-Dax notierten Konzerne öffentlich dazu aufgefordert, mehr auszubilden. War Ihre Initiative erfolgreich?

Genaue Erkenntnisse habe ich da zwar nicht. Aber die aktuellen Zahlen für August zeigen einen deutlichen Anstieg der Ausbildungsplätze um zehn Prozent. Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht und zeigt, dass die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt auch auf den Ausbildungsmarkt überspringt. Jetzt hoffen alle noch einmal auf die nächsten Wochen, um bis Ende September noch ein Stück weiterzukommen.

Kann ein Ausbildungsbonus dazu beitragen, dass Unternehmen über Bedarf oder überhaupt ausbilden?

Ich kann mir vorstellen, dass ein Unternehmer, der unsicher ist, ob die Kosten, die ihm durch eine Lehrstelle entstehen, wirklich tragbar sind, mit dem Ausbildungsbonus zu einer positiven Einstellung kommt. Es sind ja sehr oft kleine Unternehmen, die sich das sehr genau überlegen müssen. Die große Koalition berät zurzeit, ein solches Modell einzuführen. Wenn wir uns dafür entscheiden, wird der Bonus schon im nächsten Ausbildungsjahr kommen.

Annette Schavan (CDU) ist seit 2005

Bundesministerin für Bildung und Forschung. Davor war sie Kultusministerin in Baden-Württemberg.

Mit ihr sprach

Yasmin El-Sharif

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