Wirtschaft : Alle Anbieter unter Zugzwang

BONN (AFP).Immer und überall telefonieren zu können hat seinen Preis, und der ist besonders bei Ortsgesprächen mit dem Handy nach wie vor deutlich höher als im Festnetz.Doch Handy-Besitzer können sich freuen: Ab Ende August soll Telefonieren bei den größten Anbietern billiger werden.Um Mobiltelefone nun auch für Ortsgespräche attraktiver zu machen und neue Kunden zu gewinnen, haben die Mobilfunk-Unternehmen eine neue Runde im Preiskampf eingeläutet.Knapp zwei Wochen nach der Deutschen Telekom mit ihrem D 1-Netz stellte Anfang der Woche auch Branchenführer Mannesmann D 2 privat seine geplanten Ortstarife vor.Doch der "Tarifdschungel" wird zugleich durch neue Varianten noch komplizierter.Wer mit dem Gedanken eines Handy-Kaufs spielt, muß nun nicht nur die Preise verschiedener Anbieter zu unterschiedlichen Tageszeiten vergleichen, sondern auch entscheiden, wo er die neuen Angebote nutzen will.So gilt der neue Ortstarif bei der Telekom-Tochter T-Mobil nur für ein zuvor festgelegtes Ortsnetz.Dorthin kann der Kunde von überall in Deutschland zum günstigeren Preis anrufen.Mannesmann D 2 privat wird einen entsprechenden Service anbieten.Alternativ kann der D 2-Kunde aber auch den Service "Best City Plus" wählen, bei dem der Ortstarif jeweils für die Stadt gilt, in der sich der Handy-Nutzer gerade aufhält.Unterschiedliche Vertragslaufzeiten oder spezielle Angebote erschweren einen direkten Leistungsvergleich der Anbieter.So gibt es nach einer Schätzung des Telefonexperten der Verbraucherzeitschrift "Test", Ronald Dammschneider, auf dem deutschen Mobilfunkmarkt etwa 300 verschiedene Tarife, die auf spezielles Telefonierverhalten maßgeschneidert sind.

Die neuen Ortstarife zwingen auch die übrige Konkurrenz zum Handeln.So kündigten die Betreiber des E-Plus-Netzes umgehend an, in der jüngsten Tarifrunde mitzuhalten.Ein neues Angebot werde zur Zeit erarbeitet.Unter Zugzwang stehen auch die zahlreichen Service-Provider.Sie kaufen sich zu Sonderkonditionen von den drei Netzbetreibern große Mengen Gesprächsminuten und geben diese mit eigenen Tarifen weiter."In den nächsten Wochen werden die Service-Provider kleckerweise nachziehen", prophezeit Dammschneider.Die Frankfurter Interoute Telecom Deutschland preschte bereits im April vor.Außerdem drängt im Herbst mit E 2 von Viag Interkom ein viertes Mobilfunknetz auf den Markt.Trotz des "Tarifdschungels" werde der Markt durch die Preissenkungen einen neuen Schub bekommen, prophezeit Axel Burkert vom Fachmagazin "Connect".Die Preissenkungen liefen immer nach dem gleichen Muster ab: Auf einen Vorstoß von T-Mobil kontere D 2 nach kurzer Zeit."Das ist wie die Geschichte von Hase und Igel." Zuletzt zählte der Branchenprimus D 2 4,6 Millionen Kunden.Die Telekom-Tochter T-Mobil hat 4,15 Millionen Kunden.Mit dem E-Plus-Netz telefonieren 1,48 Millionen Menschen.

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