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Agrarminister Seehofer will Klimarisiken der Bauern versichern lassen – andere Staaten tun das schon lange

Dagmar Dehmer

Berlin - Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will Klimarisiken der Bauern künftig versichern lassen. In der ARD sprach er sich für eine Ernteversicherung aus. Er sagte, die Bundesregierung solle sich Frankreichs „Ernteversicherung“ zum Beispiel nehmen. „Bis jetzt kenne ich keinen besseren Vorschlag als den, der schon seit einiger Zeit aus Frankreich kommt.“ Allerdings sei dieser Vorschlag noch kein „Konzept“, sagte eine Sprecherin seines Ministeriums dem Tagesspiegel. Wegen der Dürre der vergangenen Wochen habe der Minister das Thema aufgegriffen. Außerdem sei im Ministerium eine Arbeitsgruppe „Klimawandel und Landwirtschaft“ gebildet worden, sagte sie.

Frankreich hat 2005 eine Versicherung für Witterungsschäden eingeführt – zunächst einmal auf Probe. Der Staat trägt etwa ein Drittel der Prämienkosten für die Landwirte, den Rest bringen sie selbst auf. Sie soll offenbar ausgebaut werden. Auch andere europäische Staaten haben Versicherungen gegen Wetterkatastrophen eingeführt – zum Teil schon vor Jahrzehnten. Überall, auch in den USA und Kanada, leistet der Staat Beihilfen zu den Versicherungsprämien. In einigen Ländern tritt er auch als Rückversicherer ein, wenn besonders große Schadensummen zusammenkommen.

In Deutschland gibt es dagegen lediglich eine „Hagelversicherung“, der 70 Prozent der Bauern beigetreten sind. Darüberhinaus fehlt eine Absicherung gegen Ernteschäden. Es gibt zwar ein einziges Unternehmen, das einen Schutz gegen Klimarisiken anbietet. Allerdings wird dieser nicht gekauft, weil die Prämien so hoch liegen, dass sie für die meisten Bauern nicht attraktiv ist.

Michael Lohse, Sprecher des Deutschen Bauernverbands (DBV), freut sich, „dass Seehofer den Ball wieder aufgenommen hat“. Der DBV und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben nämlich schon 2001 einen ersten Vorschlag für eine solche „Mehrschadenversicherung“ vorgelegt. Nach dem Dürre-Sommer 2003 haben sie den Vorschlag erneut in die Diskussion gebracht. Allerdings hielt Seehofers Vorgängerin Renate Künast (Grüne) eine Versicherungslösung, bei der der Staat die Prämien bezuschusst offenbar für nicht durchsetzbar, berichtet Lohse.

Der Bedarf ist allerdings auch in Deutschland vorhanden. Der GDV hat errechnet, dass zwischen 1990 und 2006 Ernteschäden durch Wetterextreme in einer Höhe von 5,89 Milliarden Euro entstanden sind. Dazu kamen noch 1,69 Milliarden Euro Hagelschäden. Die schlimmsten Schäden verursachte auch schon in der Vergangenheit in Deutschland Trockenheit. Von 1990 bis 2006 verursachten Dürren oder lange Trockenphasen Ernteschäden in einer Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Allein 2003 lagen die Schäden bei 3,2 Milliarden Euro. Die zweithöchsten Schäden verursachten, abgesehen vom Hagel, Starkregen mit 840 Millionen Euro. Beide Wetterphänomene, Dürre und Starkregen, werden wegen des Klimawandels häufiger vorkommen.

Dass sich die Bauern nicht darauf verlassen können, dass der Staat ihnen eine Kompensation bezahlt, wenn sie ihre Ernte wegen einer Wetterkatastrophe verloren haben, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Den Schäden von 7,58 Milliarden Euro zwischen 1990 und 1006 standen staatliche Nothilfen in einer Höhe von 353 Millionen Euro gegenüber. Und die Dürrehilfe der Europäischen Union zahlt nur dann, wenn ein Landwirt „in der Existenz bedroht ist“, sagt Michael Lohse.

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