Wirtschaft : Alle wollen nach Berlin

Auch die Bayern LB will für die Landesbank mitbieten / LBB-Chef hat Sympathie für Sparkassen-Offerte

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Berlin - Das Interesse an der Landesbank Berlin wird täglich größer. Nach der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will nun auch die Bayern LB für das Berliner Geldinstitut mitbieten. „Wir werden eine Interessenbekundung einreichen“, sagte ein Sprecher der zweitgrößten Landesbank am Mittwoch in München. Damit wirft bereits die zweite große Landesbank unabhängig von den Sparkassen ihren Hut in den Ring. Bislang wollte die Bayern LB nur dann aktiv werden, wenn sich die Sparkassen nicht einigen können. Sechs von zwölf Regionalverbänden haben sich bislang für ein LBB-Gebot ausgesprochen.

LBB-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter würde eine Offerte des Sparkassenverbandes DSGV begrüßen. „Natürlich haben wir Sympathie dafür, dass der DSGV ein Angebot abgeben will“, sagte Vetter am Mittwoch bei einer Bankenveranstaltung in Berlin. Allerdings vermied er eine Festlegung darauf, ob ihm ein Landesbanken-Angebot besser gefallen würde als eine Sparkassen-Offerte. Die EU habe ein diskriminierungsfreies Verkaufsverfahren für das LBB-Aktienpaket gefordert. „Dieses werden wir natürlich unterstützen“, fügte Vetter hinzu.

Das Land Berlin muss die LBB in diesem Jahr verkaufen. Das ist eine Auflage der EU-Kommission für die Gewährung milliardenschwerer Beihilfen durch das Land, das 81 Prozent an dem Institut hält. Das Land Berlin hat Kaufinteressenten aufgefordert, sich bis zum 5. Februar schriftlich zu melden. Dabei sollen bereits Angaben zur Finanzierung gemacht werden.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen ermunterte indes die West LB, ebenfalls ihr Interesse zu bekunden. „Nach der neuen Sachlage ist es sicherlich richtig, wenn auch die West LB bis zum 5. Februar ihr Interesse an der LBB bekundet“, sagte Linssen am Mittwoch in Düsseldorf. „Wir werden im Einvernehmen mit unseren Eigentümern entscheiden, ob wir eine Interessenbekundung abgeben“, bekräftigte ein West LB-Sprecher.

Unabhängig von dem potenziellen Engagement der drei Landesbanken sehen sich die Sparkassen im Zeitplan. „Wir sind dabei, eine Interessenbekundung für die LBB vorzubereiten“, sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des DSGV, Karl-Peter Schackmann-Fallis, in Berlin. Allerdings sei der „bewusst nach oben getriebene“ Börsenkurs kein Maßstab für den Wert. Derzeit wird die LBB mit mehr als sieben Milliarden Euro bewertet.

Trotz der Sympathiebekundung Vetters für den DSGV gab es auch Hiebe für das Sparkassen-Lager. „Die öffentliche Diskussion über die Zukunft unserer Landesbank wird engagiert geführt, bei Einzelnen fast schon mit inbrünstig religiöser Hingabe verbunden – bisweilen mit der Sorge um die eigene Existenzberechtigung“, sagte der LBB-Chef. Das war auf den DSGV gemünzt, der sich gegen das Sparkassengesetz Berlins ausgesprochen hat, das den Verkauf der Berliner Sparkasse an einen privaten Investor ermöglicht. Dies will das Sparkassen-Lager unter allen Umständen verhindern.

Nach der Sanierung des einst von der Pleite bedrohten Instituts machte Vetter klar, dass der Vorstand bei der Privatisierung mitreden will. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, sind profitabel, zukunftsfähig aufgestellt und wachsen in allen Bereichen“, sagte Vetter. Somit haben „wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern“ guten Grund, selbstbewusst in das Jahr zu gehen. „Selbstverständlich“ werde der Vorstand den erfolgreichen Verkauf „im Rahmen unserer Möglichkeiten und unserer Verantwortung“ unterstützen, so Vetter. Die Landesbank/Berliner Sparkasse reklamiert mit 1,9 Millionen Privatkunden in der Hauptstadt einen Marktanteil von 41 Prozent für sich. Von 16 700 Mitarbeitern im Jahr 2001 sind Ende 2006 noch 6500 übrig geblieben.

Sparkassen-Vorstand Schackmann-Fallis betonte, der DSGV sei der einzige Interessent, „der vom Geschäftsmodell und der Geschäftsphilosophie her die gestellten Bedingungen glaubwürdig vertreten kann“. Das Land Berlin hatte beim Start des Verkaufsprozesses Mitte Januar Bedingungen an den potenziellen Käufer gestellt. So soll es unter anderem eine Arbeitsplatzgarantie geben. Zudem soll der Standort Berlin erhalten und weiterentwickelt werden. fmd(HB)/ddp

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