Wirtschaft : Alles auf eine Karte

Die Berliner Lottogesellschaft setzt sich jetzt für Jugendschutz und Suchtprävention ein – das hat Gründe

Heike Jahberg

Berlin - Mit einer Initiative gegen die Glücksspielsucht will die Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) ihr Glücksspielmonopol in der Stadt verteidigen. Vorstandsmitglied Hansjörg Höltkemeier stellte am Freitag in Berlin eine neue Plakatkampagne der Lottogesellschaft vor, in der sie vor Spielsucht warnt. Zugleich soll mit einer neuen Lotto-Karte der Jugendschutz gestärkt werden. Sportwetten sollen künftig nur noch gegen Vorlage der Karte möglich sein, betonte Höltkemeier. Die neue Karte, die ab Anfang Juni in allen Lotto-Annahmestellen kostenlos verteilt wird, gibt es nur für Erwachsene über 18 Jahre.

Hintergrund des neuen Engagements der Berliner Lotto-Gesellschaft ist das juristische Gerangel um das einträgliche Glücksspielmonopol in Deutschland. Dieses liegt bei den staatlichen Lottogesellschaften der Länder. Im März vergangenen Jahres hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass der Staat nur dann das Lotto-Monopol behalten darf, wenn er – anders als private Wettanbieter – die Spielsucht bekämpft und den Jugendschutz verteidigt.

Um das Urteil aus Karlsruhe umzusetzen, haben sich die Bundesländer inzwischen auf einen Glücksspiel-Staatsvertrag verständigt. Dieser muss nach den Vorgaben der Verfassungsrichter bis Ende des Jahres in Landesrecht umgesetzt sein. Auch nach dem neuen Staatsvertrag soll das Monopol für Lotto, Toto und andere Sportwetten bei den Lotto-Gesellschaften verbleiben. Sportwetten laufen über Oddset, das aber ebenfalls zum Lotto-Block gehört. Zugleich sollen aber per Gesetz Jugendschutz und Suchtprävention gestärkt werden. In diesem Zusammenhang stehen auch die neuen Aktivitäten der Berliner Lottogesellschaft.

Der Markt ist in Aufruhr, denn die privaten Wettanbieter wollen dem Lotto-Block das Feld nicht kampflos überlassen. Einen politischen Verbündeten haben sie in der Kieler Landesregierung, die versucht hatte, den Staatsvertrag zu blockieren. Das ist ihr jedoch nicht gelungen. In Schleswig-Holstein haben zahlreiche private Wettanbieter ihren Sitz. Jetzt versuchen die Privaten, über die staatlichen Lottogesellschaften im Geschäft zu bleiben. Am Freitag wurde bekannt, dass der Glücksspielanbieter Fluxx die Lottogesellschaft in Rheinland-Pfalz übernehmen will. Diese gehört den Sportbünden Rheinland, Rheinhessen und Pfalz, die von der Landesregierung die Konzession zum Betrieb der Lottogesellschaft erhalten haben.

In Berlin soll das neue Lottogesetz bereits nach der Sommerpause verabschiedet werden. Höltkemeier glaubt, dass Lotto Berlin die juristischen Anforderungen „übererfüllt“. In den vergangenen Jahren habe man sich aber wohl nicht „in der nötigen Intensität“ um Suchtprävention und Jugendschutz gekümmert, räumte der Lotto-Vorstand ein.

Ab Juni soll eine Werbefigur, der so genannte Lotto-Trainer, die Berliner über das Lotto-Angebot informieren, sie aber zugleich vor den Gefahren des Glücksspiels warnen. Auf den Plakaten soll zudem ein Warnhinweis zur Spielsucht stehen, der entfernt an die Mahnungen auf den Zigarettenschachteln erinnert. Die Kampagne ist abgestimmt mit der Fachstelle für Suchtprävention des Landes Berlin. Deren Leiterin, Kerstin Jüngling, lobte die Werbung. Die Werbefigur – ein mittelalter Mann im roten Trainingsanzug, der Trainer in jedem Kiez-Fußballklub sein könnte – vermittele die Botschaft, „Ball flachhalten“, sagte die Suchtexpertin. Das sei die richtige Einstellung.

Zudem setzt die Lottogesellschaft auch noch auf Schulungen. In Zusammenarbeit mit der Suchtpräventionsstelle sollen alle 1200 Lotto-Läden in Berlin geschult werden. Dabei sollen sie sowohl über rechtliche Fragen als auch über den richtigen Umgang mit Kunden informiert werden, die möglicherweise suchtgefährdet sind.

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