Wirtschaft : Alles nur auf Pump

Trotz Krise muss kein Konsument auf neue Anschaffungen verzichten. Denn zum Kauf gibt es Alternativen: mieten, leihen, leasen

Silke Messner

Kaufen ist teuer. Und gerade in der derzeitigen Konjunkturkrise überlegt man sich lieber zwei Mal, ob man tatsächlich tief in die Tasche greifen sollte, um eine neue Waschmaschine, einen modernen Wohnzimmerschrank oder ein neues Auto anzuschaffen. Außerdem macht Kaufen nicht immer Sinn. Denn vieles braucht man so selten, dass es nur unnötig viel Platz wegnimmt. Die Lösung für den schmalen Geldbeutel: leihen, mieten oder leasen.

Zum Beispiel das Hochzeitskleid. Das trägt eine Frau zwar am angeblich schönsten Tag ihres Lebens, aber das ist – im günstigsten Fall – eben nur ein einziges Mal. Und dafür bis zu 2000 Euro zahlen? Viele sehen das nicht ein: „Etwa ein Viertel der Bräute leiht sich ihr Kleid“, sagt Beate Paschke, Inhaberin der Abend- und Brautmodenetage in Berlin. „Bei Abendkleidern sind es sogar 30 Prozent – und es sind mehr geworden, seit es wirtschaftlich bergab geht.“ In ihrem Geschäft kostet ein Abendkleid 50 bis 120 Euro für drei bis vier Tage inklusive Reinigung, ein Hochzeitskleid ist für 150 bis 500 Euro zu haben. Auch die Herren können sich dort für 80 Euro leihweise mit einem Smoking ausstatten lassen, statt ihn für mehr als 300 Euro zu kaufen. Und nicht einmal eine Kaution ist derzeit fällig.

Laptop als Leihgabe

Anderes braucht man vielleicht nicht nur einmal im Leben, aber doch so selten, dass der Kauf kaum lohnt – etwa das Parkett-Schleifgerät, den Akku-Schrauber oder den Dampfreiniger für den Frühjahrsputz. All das kann man sich inzwischen bei Baumärkten ausleihen, etwa bei Hellweg, Praktiker oder Obi. „Dort bekommt man Geräte in Profiqualität, statt der üblichen Heimwerkerserie“, sagt Obi-Vertriebskoordinatorin Bettina Grote – vom Vorschlaghammer für einen Euro pro Tag bis zum Mini-Bagger ab 99 Euro.

Zu teuer zum Kaufen und Verstauben sind auch Musikinstrumente. „Man weiß ja nie, ob das begabte Kind im nächsten Jahr nicht viel lieber Handball spielt als Klavierstunden zu nehmen“, sagt Hans Uchdorf, Mitarbeiter beim Berliner Clavier-Cabinett. Dort kostet ein Piano beispielsweise 50 Euro im Monat zur Miete. Für die Anschaffung wären dagegen 4000 bis 5000 Euro fällig. Eine Geige ist leihweise schon für 20 Euro monatlich zu haben, etwa beim Geigen- und Klavieratelier in Berlin-Charlottenburg.

Auch Party-Bedarf, wie Geschirr, Zelte oder Tische und Stühle, muss nicht gekauft werden. Der Berliner Party-Ausstatter Integra oder „Alles klar! Der Allerleih-Verleih“ bieten Teller und Tassen, Tische und Stühle leihweise an. Bei Integra ist ein kompletter Satz Kaffee- und Speise-Geschirr für eine 20-köpfige Gesellschaft ab knapp 40 Euro für drei Tage zu haben. Dabei spart man sich nicht nur die Kosten für den Kauf, sondern auch das Spülen: Eine Reinigung ist im Preis enthalten. Hochsaison für das Leih-Geschirr ist vor allem in den Feier-Monaten Mai und September, sagt Integra-Geschäftsführer Karl Bubenheimer.

Auch Elektronik-Artikel werden gerne ausgeborgt. Wer mit Freunden einen Videoabend veranstalten oder die neuesten DVD-Spiele ausprobieren möchte, kann sich in der Videothek nicht nur Filme und Spiele ausleihen, sondern auch das Gerät dazu. Bei „World of Video“ in Berlin kostet das jeweils 2,50 Euro pro Kalendertag plus eine Kaution von 50 bis 100 Euro. Auch Computer oder Laptops können geliehen werden. „Viele wollen zum Beispiel im Urlaub noch schnell einen Text schreiben oder brauchen nur für ein paar Tage einen Laptop für eine Präsentation“, sagt Dirk Fuchs vom Berliner Monk Laptop-Verleih. Dort können sich Kurzfrist-Nutzer zum Beispiel ein Pentium III-Laptop besorgen. Studenten zahlen dafür elf Euro pro Tag, der Normaltarif liegt bei 16 Euro pro Tag in der ersten Woche, in der zweiten bei elf und ab der dritten sieben Euro. Als Kaution sind 150 Euro fällig.

Auch wer mobil sein will, muss nicht unbedingt ein Auto kaufen. Wer nur für ein paar Tage die Sonne im Cabrio genießen will, kann sich kurzfristig einen Flitzer bei Autovermietungen leihen. Dabei lohnt sich ein Preisvergleich: Avis und Sixt bieten beispielsweise einen Mercedes SLK für etwa 109 Euro am Tag inklusive 500 Freikilometern. Bei Europcar kostet er 119 Euro, aber dafür kann man damit so weit fahren, wie man will.

Wer eher etwas für den alltäglichen Fahr-Bedarf sucht, aber kein Geld hat, sich einen Neuwagen anzuschaffen, kann auch ein Fahrzeug leasen. Dabei bezahlt man also nur für die Nutzung, ohne zu kaufen. Läuft der Vertrag aus, geht das Auto zurück. Der Vorteil: „Sie können zu günstigen Raten ein neues Auto fahren und es braucht sie nicht zu kümmern, wenn der Gebrauchtwagenmarkt am Boden liegt“, sagt Dietmar Kupisch von der VW Leasing GmbH.

Die Raten sind wesentlich niedriger als beim Ratenkauf und einige Hersteller wie Peugeot oder Citroën verlangen nicht einmal eine Anzahlung. Die monatlichen Leasing-Raten sind allerdings ansonsten umso höher, je weniger der Kunde anzahlt. Außerdem steigen die Raten, je mehr Kilometer man fahren will und je kürzer die Vertragslaufzeit ist.

Bei der Volkswagen-Leasing liegen die Laufzeiten zwischen zwölf und 54 Monaten. Dort bekommt man einen Golf für 181 Euro im Monat bei einer Laufzeit von 36 Monaten und 20 000 Kilometern im Jahr. Die Anzahlung – bei den Herstellern „Sonderzahlung“ genannt – beläuft sich auf 20 Prozent des Neupreises, beim Golf also auf knapp 3000 Euro. Außerdem hat die VW Leasing noch ein besonderes Schmankerl in Zeiten der hohen Arbeitslosigkeit – eine Art Versicherung ohne Aufpreis: Wenn ein Leasing-Kunde seinen Job verliert, muss er das Auto keineswegs stehen lassen, falls er seine Raten schon seit mindestens drei Monaten bezahlt hat. Denn dann werden dem Kunden bis zu zwölf Monatsraten erlassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar