Wirtschaft : Allianz AG: Deutsche Bank hält Kooperation für möglich

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Der Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer betrachtet einen von Allianz und Dresdner Bank geformten neuen Finanzriesen nicht als Bedrohung, sondern als willkommenen starken Wettbewerber. Auch eine Zusammenarbeit zumindest in Teilbereichen schließt er nicht aus. "Ich könnte mir vorstellen, dass es Chancen für Kooperationen mit dieser neuen Einheit gibt", sagte Breuer am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. Eine Beteiligung der Deutschen Bank an dem neuen Finanzriesen hält er allerdings nicht für erstrebenswert.

Breuer erklärte, dass er über die Pläne von Allianz und Dresdner Bank informiert gewesen sei. Er sagte aber auch, dass die Deutsche Bank weiter in Gesprächen mit der Allianz über eine Zusammenarbeit stehe. Sie verliefen in guter Atmosphäre. Die Deutsche Bank rede aber ferner mit anderen Finanzdienstleistern und auch die Gespräche mit der Dresdner Bank seien nie vollständig abgebrochen worden. Die größte Bank Europas ist vor allem daran interessiert, ihren Vertrieb außerhalb Deutschlands zu verstärken. Details über mögliche Felder der Zusammenarbeit mit einem neuen Finanzriesen nannte Breuer nicht. Er ließ auch offen, ob die Deutsche Bank das Mandat für die Abwicklung einer möglichen Fusion habe.

Ungeachtet der neuerlichen Umwälzungen in der deutschen Finanzszene setzt die Deutsche Bank erneut einen Markstein: Vorstand und Aufsichtsrat haben sich jetzt auf neue Grundsätze für die Unternehmensführung geeinigt. Mit diesen "Corporate Governance"- Regeln installiert die Bank nach den Worten Breuers ein "klares und überprüfbares System interner und externer Kontroll- und Überwachungsmechanismen". So wird die Bank unter anderem die Vergütung der Vorstandsmitglieder klar auflisten ebenso wie die Geschäfte, die sie mit eigenen Aktien abschließen. Die Deutsche Bank schreibt auch fest, dass Mitglieder des Vorstandes in Zukunft grundsätzlich keinen Vorsitz in Aufsichtsräten von konzernfremden Firmen übernehmen.

Die Deutsche Bank erhofft sich künftig vor allem vom Privatkundengeschäft deutliche Impulse. Diese sollen auch durch die seit 1. Februar umgesetzte neue Aufteilung des Konzerns in eine Investment- und in eine Privatkundenbank verstärkt werden. Zwar bleibe das Investmentbanking ein Wachstumsbereich, aber das größere Potenzial sieht Breuer jetzt im Filialkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung. Insgesamt will die Deutsche Bank den Gewinn nach Steuern in den kommenden beiden Jahren jeweils um mindestens 15 Prozent steigern.

Der Abschwung an der Börse hat sich auch auf die Geschäfte der Deutschen Bank ausgewirkt. Das erste Vierteljahr werde kaum das Rekordergebnis des Vorjahresquartals bringen, sagte Breuer. Trotzdem sei man mit dem bisherigen Geschäftsverlauf des Jahres 2001 zufrieden. Breuer baut insgesamt darauf, dass die Deutsche Bank trotz des schwierigen Umfeldes im laufenden Jahr ein ähnliches Ergebnis wie 2000 erreicht. Im vergangenen Jahr hatte die Bank, wie Breuer bereits Anfang Februar berichtet hatte, ihren Gewinn verdoppelt und den neuen Rekordwert auf 4,95 Milliarden Euro erreicht. Die Dividende steigt von 1,15 auf 1,30 Euro.

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