Wirtschaft : Allianz AG: Münchner profitieren von der Steuerreform

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Die Steuerreform hat der Münchner Allianz AG im vergangenen Jahr ein Rekordjahr beschert. Weil die Körperschaftssteuer von 40 auf 25 Prozent reduziert wurde, konnte der zweitgrößte Versicherer der Welt im Vorjahr von einem einmaligen Sondereffekt im Umfang von gut 2,1 Milliarden Mark profitieren, teilte der Konzern in seinen vorläufigen Bilanzzahlen für die Vorperiode mit. Insgesamt stieg der Jahresüberschuss deshalb um fast die Hälfte auf gut 6,6 Milliarden Mark. Bereinigt um den Steuereffekt wuchs der Nachsteuergewinn um zwölf Prozent auf 4,5 Milliarden Mark.

Hohe Erwartungen für 2001

Damit hat die Allianz sowohl ihre eigenen Prognosen als auch die vieler Analysten leicht übertroffen. Auch in der laufenden Periode rechnet der Konzern mit einer überproportionalen Gewinnsteigerung und einem Plus im Nachsteuergewinn auf das bereinigte Ergebnis von 13 Prozent auf dann 5,1 Milliarden Mark.

Dafür seien neue Elemente der Steuerreform, gesteigerte Effizienz sowie vor allem ein europaweit anhaltender Trend zu privater Lebens- und Krankenversicherung verantwortlich, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. "Wir gehen davon aus, dass die Riester-Produkte kommen", sagte er mit Blick auf die geplante Rentenreform, die private Altersvorsorge fördern soll. Auch Analysten rechnen deshalb bald mit einem neuen Impuls für die Allianz. Die Aktie habe auf Sicht ein Potenzial bis 420 Euro, schätzte ein Börsianer.

Die Bilanz für 2000 hat das Papier indessen nicht beflügelt. In einem spürbar unter Druck stehenden Dax konnte sich auch die Allianz-Aktie nur knapp behaupten. In einem insgesamt schwachen Markt gaben die Papiere vorübergehend um über ein Prozent nach. Analysten rechnen damit, dass die Allianz im Vergleich zu anderen Titeln aus der Branche noch etwas zulegen kann. Gegenüber Aktien der Konkurrenz, wie Axa oder Generali, sei da noch etwas drin, sagte Thomas Körfgen, DWS-Fondmanager in Frankfurt.

Denn auch bei den Beitragseinnahmen 2000 lag der Münchner Konzern mit plus 7,4 Prozent auf 113 Milliarden Mark über den eigenen Erwartungen. Im laufenden Jahr wird ein Beitragsplus von fünf Prozent erwartet. Verantwortlich für den Vorjahreszuwachs waren in erster Linie starke Zuwächse in Italien und Frankreich in der Lebens- und Krankenversicherung.

Unter dem Strich legte diese Sparte 2000 um gut ein Fünftel auf fast 60 Milliarden Mark Umsatz zu. Vor allem fondsgebundene Lebensversicherungen, die in den Konzernumsätzen nach internationalen Bilanzregeln nicht berücksichtigt werden dürfen, seien derzeit "der Schlager", sagte ein Konzernsprecher. In der Schadens- und Unfallversicherung wuchsen die Beitragseinnahmen 2000 um gut sieben Prozent auf 74 Milliarden Mark.

Zwar sei dort die Schadensquote wegen Stürmen und anderen Elementarereignissen schlechter als erwartet ausgefallen. Das habe man aber durch niedrigere Steuern und Veräußerungsgewinne mehr als ausgleichen können. Insgesamt sieht die Allianz einen bleibenden Trend zur Lebens- und Krankenversicherung, der das derzeit noch im Konzern zugunsten der Sparte Schadens- und Unfallversicherung bestehende Ungleichgewicht weiter ausgleichen werde. Die Vermögensverwaltung als dritte und jüngste Säule des Konzerngeschäfts konnte das Volumen der verwalteten Gelder 2000 auf rund 1,4 Billionen Mark fast verdoppeln. Das geht vor allem auf den Zukauf des US- Vermögensverwalters Pimco zurück.

Vom Rekordjahr profitieren auch die Allianz-Aktionäre. Für das Geschäftsjahr 2000 soll die Dividende von 1,25 auf 1,50 Euro je Aktie steigen, was ein Sprecher mit Blick auf den gestrigen Valentinstag als "Blumen für die Aktionäre" einordnete. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Konzern bis Ende 2000 wegen dem Pimco-Zukauf weltweit um 6000 Personen auf knapp 120 000 Frauen und Männer.

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