Wirtschaft : Allianz-Aktie: Deutsche Bank verkauft weitere Anteile des Versicherers

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Die Deutsche Bank hat ihren Besitz an Allianz-Aktien weiter abgebaut. Der Anteil sei von der Beteiligungstochter DB Investor von sieben Prozent auf nunmehr 4,1 Prozent reduziert worden, teilte die Frankfurter Großbank am Dienstag mit. Im Rahmen der Transaktion seien sieben Millionen Aktien im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro weltweit bei Investoren platziert worden. Der Verkaufspreis je Aktie wurde mit 362 Euro genannt. Dadurch wird die Deutsche Bank den Angaben zufolge einen Gewinn aus Finanzanlagen von mehr als zwei Milliarden Euro ausweisen, auf den in diesem Jahr keine Steuern entfallen. Über die Identität der Aktienerwerber machte das Finanzinstitut keine Angaben. Vorstandssprecher Rolf Breuer sagte am Rande einer Bankenkonferenz, es gebe derzeit keine Pläne für einen weiteren Abbau der Beteiligung an dem Münchener Versicherungskonzern.

Die Bank wollte mit dem Verkauf offenkundig nicht bis zum Inkrafttreten der Steuerreform warten. Sie befürchtet, wie ein Sprecher sagte, dass dann von verschiedenen Seiten größere Pakete auf den Markt geworfen werden. Die Marktbedingungen seien derzeit günstig und der Kurs stimme. Wenn die Regierung, die mit der steuerlichen Freistellung von Beteiligungsverkäufen eine Auflösung der Überkreuzverflechtungen in der deutschen Wirtschaft anstrebe, es ernst meine, könne sie auch zum jetzigen Zeitpunkt nichts gegen den Deal einwenden. Die Steuerfrage wurde nach Andeutungen der Bank bereits im Vorfeld des Verkaufs mit dem Fiskus abgeklärt.

An der ansonsten nachrichtenarmen Börse sorgte die Mitteilung über die Beteiligungsverringerung für heftige Kursbewegungen bei den beiden betroffenen Aktien. Allianz gab in Frankfurt deutlich nach, mit einem Minus von vorübergehend mehr als fünf Prozent war sie zeitweise der größte Kursverlierer. Auf kurze Sicht werde durch den Anteils-Verkauf das Angebot an Aktien des Versicherungskonzerns steigen, sagte ein Händler der SGZ-Bank. Das drücke den Preis der Aktie. Durch den Anteilsverkauf stünden auch die Chancen für eine Zusammenarbeit zwischen Allianz und Deutscher Bank "sehr schlecht". In ihrem Sog zog Allianz die Aktie der Münchener Rück mit abwärts. Beide Unternehmen sind über eine 25-prozentige Überkreuzbeteiligung miteinander verflochten. In einem insgesamt etwas schwächeren Markt konnte Deutsche Bank zwar zunächst zulegen, rutschte später aber leicht ins Minus.

Bei den gescheiterten Fusionsverhandlungen mit der Dresdner Bank waren Allianz und Deutsche Bank - an dieser ist der Versicherer mit fünf Prozent beteiligt - übereingekommen, dass sie sich von ihren wechselseitigen Beteiligungen trennen werden. Diese Vereinbarung dürfte nach wie vor Gültigkeit haben, wie Äußerungen von Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle erkennen lassen. Nach seinen Angaben wird das Verhältnis zur Großbank durch den Verkauf nicht belastet. Ein Sprecher des Versicherers bezeichnete den Beteiligungsabbau als "ganz normale Finanztransaktion". Breuer sagte: "Die Transaktion ist ein Beitrag zur Reduzierung der Überkreuzbeteiligungen innerhalb Deutschlands." Er kündigte zudem an, dass die Gespräche mit der Allianz über eine Kooperation im Filialgeschäft in der nächsten Woche wieder aufgenommen würden.

Schon im Oktober vergangenen Jahres hatte die Großbank gut zwei Prozent ihres Allianz-Pakets bei institutionellen Anlegern platziert und damit ihren Anteilsbesitz auf rund sieben Prozent vermindert. Bei einem Durchschnittskurs von 275 Euro je Aktie resultierte aus dem Deal ein Veräußerungserlös von 1,375 Milliarden Euro. Der Buchgewinn betrug bei diesem Geschäft über eine Milliarde Euro.

Beide Verkäufe stehen im Einklang mit dem generellen Ziel, Nichtbanken-Beteiligungen des Konzerns aktiver zu managen und durch Umschichtungen Wertsteigerungen zu erzielen. Zu diesem Zweck hat die Deutsche Bank Ende 1998 ihre wesentlichen direkt gehaltenen Industriebeteiligungen und auch das Allianz-Paket in Tochtergesellschaften ausgegliedert. Als Führungsgesellschaft fungiert die DB Investor. Ihr wurde zudem die Aufgabe gestellt, in Wachstumsunternehmen zu investieren und Restrukturierungen von Unternehmen und Branchen zu unterstützen. Ende 1999 betrug der Marktwert der börsennotierten Beteiligungen der Deutschen Bank 22,7 Milliarden Euro, die stillen Reserven beliefen sich auf etwa 18 Milliarden Euro.

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