Wirtschaft : Allianz auf der Gewinnerseite: Versicherung könnte das Fondsgeschäft übernehmen

Sie gilt als Inbegriff der Deutschland AG, aber an einer möglichen Großfusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank will die Münchner Allianz AG offiziell nicht als treibende Kraft beteiligt sein. "Wir sind über die Gespräche informiert," sagte ein Sprecher des Versicherers auf Anfrage. Zu weiteren Details wollten sich die Münchner vorerst nicht äußern. Für Branchenkenner ist dagegen klar, dass ohne Zustimmung der Allianz die beiden Banken nicht fusionieren können. Der Versicherer hält 21,7 Prozent an der Dresdner und fünf Prozent an der Deutschen Bank. Ihr Ja-Wort zur Bankenehe werden sich die Münchner teuer bezahlen lassen. Dafür bietet sich zum einen die zur Deutschen Bank zählende Fondsgesellschaft DWS an.

Die DWS kontrolliert hier zu Lande gut ein Fünftel des Fondsgeschäfts und käme zusammen mit der Fondsgesellschaft der Dresdner (DIT) auf über ein Drittel Marktanteil. Das ist kartellrechtlich nach Ansicht von Insidern nicht durchsetzbar. Die Allianz wiederum baut seit wenigen Jahren mit Milliardenaufwand die Vermögensverwaltung für Dritte als neues Kerngeschäftsfeld auf. Die DWS als deutscher Marktführer im Fondgeschäft wäre deshalb ein idealer Zukauf. Es laufe wohl darauf hinaus, dass die Allianz die DWS übernimmt und die DIT bei der künftig größten Bank der Welt in Frankfurt bleibt, schätzen Finanzkreise die Lage ein.

Darüber hinaus könne der Versicherer davon profitieren, dass sich Deutsche und Dresdner Bank offenbar vom Standardgeschäft mit Privatleuten trennen und künftig nur noch vermögende Kunden selbst betreuen wollen. Deshalb stünde auch die Deutsche Bank 24, die das entsprechende Filialgeschäft der Dresdner übernehmen soll, zur Disposition. Für die Allianz wiederum würde ein Einstieg bei der Bank 24 Sinn machen. Ein wichtiger Vertriebsweg für den Verkauf von Allianz-Versicherungen sind neben den Filialen der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank (BHV) auch die Filialen der Dresdner Bank.

Wenn das Dresdner-Filialgeschäft keinen Platz mehr im Reich des neuen Bankenriesen mehr hat, wäre die Allianz wohl der natürliche Partner. Dann könnten Allianz-Policen nicht nur über die Schalter der Dresdner sondern auch über die der Bank 24 verkauft werden. Damit würde die Trennung von Bankgeschäften und Assekuranz weiter aufgehoben. Charme haben diese Gedankenspiele auch wegen der möglichen Entflechtung zwischen Allianz, Deutscher und Dresdner Bank. Falls die Allianz in der Tat die DWS übernimmt und sich an der Bank 24 beteiligt, wird kaum in bar bezahlt. Vielmehr bieten sich die Anteile der Münchner an der Dresdner an.

Als Gewinner der sich abzeichnenden Megafusion könnten Deutsche Bank und Allianz durchs Ziel gehen. Auf der anderen Seite gilt eine Zerschlagung der Dresdner als sicher. Ob auch die BHV ein Verlierer des Zusammenschlusses ist, bleibt indessen offen. Bis vor kurzem galt noch eine Fusion zwischen BHV und Dresdner als ausgemachte Sache, weil bei beiden die Allianz größter Aktionär ist. Gegen diese Variante hat sich BHV-Chef Albrecht Schmidt vehement gewehrt. Nach den traurigen Erfahrungen mit der früheren Hypo-Bank hatt er Angst vor einem weiteren Sanierungsfall. Obwohl sich die BHV zu den Fusionsgesprächen in Frankfurt nicht äußern will, ist an der Isar doch ein Aufatmen zu bemerken. Eine Vollfusion mit der Dresdner wäre für die BHV eine starke Belastung gewesen. Im Gegensatz zur BHV gilt das Filialgeschäft von Dresdner aber auch von Bank 24 als defizitär. Wer immer bei der künftig um Dresdner-Filialen angereicherten Bank 24 das Sagen hat, stehe voreinem massiven Stellenabbau und der Schließung vieler Standorte, schätzen Branchenkenner. Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer habe nun das Problem Bank 24 vom Hals, die Allianz das mit der Dresdner, lautet das Fazit eines Insiders. Und es bleibe weiter Spielraum für Finanzkooperationen. So sei eine Zusammenarbeit zwischen BHV und der Münchener Rück-Erstversicherungstochter Ergo im Rahmen eines Allfinanzkonzerns eine Option.

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