Wirtschaft : Allianz auf Partnersuche

MÜNCHEN (tmh). Der Euro verändert den Finanzplatz Deutschland massiv. Diese Einschätzung vertrat der Finanzvorstand der Münchner Allianz AG, Diethart Breipohl. Bislang habe vor allem die Versicherungswirtschaft von der Einführung des Euro profitiert. Denn weil sie ihre Finanzmittel gesetzlich bedingt nur in der Heimatwährung anlegen darf, stünden den Versicherern nun alle Länder Europas offen, die auf den Euro umgestellt haben, sagte Breipohl. Der verfügbare Markt sei nun größer und erlaube neue Anlageschwerpunkte. Das ist für Breipohl erst der Anfang: Er sieht am europäischen Finanzmarkt auch eine Verschiebung von öffentlichen hin zu privaten Anleihen großer Konzerne. Das laufende Jahr habe bislang eine Verdreifachung derartiger Privatanleihen gebracht. Damit einhergehend würden sich Rating-Agenturen nach US-Vorbild etablieren und mit der Begutachtung von Bonität eine bisher nicht gekannte Differenzierung bringen.Neue Finanzprodukte sind dem Vorstand zufolge in Sicht. Als Beispiel aus der Assekuranz nannte Breipohl den Transfer von Versicherungsrisiken auf den Kapitalmarkt durch spezielle Wertpapiere. Die Verzinsung von Papieren könnte von Naturkatastrophen abhängig gemacht werden. Kommt es vor Ablauf des Papiers zu einem solchen Unglück, ist der Zins gering. Bleibt sie aus, darf sich der Anleger über hohe Zinsen freuen.Allgemein, so Breipohl, werde der europäische Markt für festverzinsliche Wertpapiere massiv angelsächsische Züge annehmen. Am Aktienmarkt dürften die Transaktionskosten zugunsten von Anlegern sinken. Zudem winken höhere Renditen und noch mehr Börsengänge. 1999 hat es nach Angaben des Allianz-Manns hierzulande bereits 86 Börseneinführungen gegeben, gegenüber 78 im gesamten Vorjahr. Der Anteil der Aktienbesitzer in Deutschland sei von fünf auf acht Prozent der Bevölkerung gestiegen - auf jetzt fünf Millionen Aktionäre.Breipohl sagte, sein Unternehmen verwalte auf eigene Rechnung derzeit Kapital im Umfang von rund 700 Mrd. DM und zähle damit zu den weltweit zehn größten Anlegern. Speziell in den USA sei man noch auf der Suche nach einem starken Partner für die Vermögensverwaltung. Auch in Europa werde die Allianz Kaufmöglichkeiten nutzen, sagte Breipohl. Eine engere Verbindung in der Vermögensverwaltung mit der Dresdner und der HypoVereinsbank, an denen der Versicherer jeweils maßgeblich beteiligt ist, schloß der Manager aus.

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