Wirtschaft : Allianz erwägt Kauf eines Stromnetzes Netzbetreiber Tennet ist mit Offshore überfordert

Axel Höpner/Klaus Stratmann (HB)

Berlin - Der Netzbetreiber Tennet muss 15 Milliarden Euro auftreiben, um seine Aufgaben in Deutschland zu erfüllen — und das schafft er nicht. Dagegen sind 15 Milliarden für die Allianz, Europas größten Versicherungskonzern, und den weltgrößten Rückversicherer Munich Re keine große Sache. Beide Unternehmen haben nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Verhandlungskreisen Interesse am Tennet-Netz bekundet. Sehr zur Freude der Bundesregierung.

Denn in Berlin ist die Unzufriedenheit mit Tennet groß. Das Unternehmen mit niederländischer Mutter räumt offen ein, mit der Finanzierung der Netzanbindung für die großen Offshore-Windparks in der Nordsee überfordert zu sein. Das verzögert den Zeitplan für den Bau der Parks. Doch ohne die Windparks auf hoher See gelingt die Energiewende nicht. Tennets Probleme sind für die Bundesregierung gefährlich. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet daher an einem Plan B, in dem Tennet nicht vorkommt. Munich Re und Allianz dagegen schon. Beide Unternehmen hätten bereits im Wirtschaftsministerium vorgefühlt, heißt es in Verhandlungskreisen.

Offiziell bestätigen Munich Re und Allianz das nicht. Bei Munich Re hieß es, man kommentiere Spekulationen um Tennet nicht, der Konzern könne sich aber „ganz generell“ weitere Investitionen in Infrastruktur wie zum Beispiel Netze gut vorstellen. Munich Re hat sich bereits an Amprion, einem der drei weiteren deutschen Übertragungsnetzbetreiber, und am Gasnetz von Eon beteiligt. Bei der Allianz hieß es kürzlich, das Stromnetzgeschäft sei „grundsätzlich ein ideales Investment“.

Strom- und Gasnetze sind für institutionelle Anleger äußerst interessant. Die Netze gelten als natürliche Monopole, die Renditen sind daher staatlich reguliert, aber durchaus auskömmlich: Für Neuinvestitionen in Netze hat die Bundesnetzagentur eine Eigenkapitalverzinsung von 9,05 Prozent festgelegt. In Zeiten, in denen zehnjährige Bundesanleihen nur noch wenig mehr als ein Prozent abwerfen, ist das sehr lukrativ. Probleme bereiten potenziellen Investoren indes derzeit noch ungeklärte Haftungsfragen: Wer trägt das Risiko, wenn die Netzanbindung eines Offshore-Windparks nicht rechtzeitig steht, der Park aber schon Strom produziert? Wer kommt für den Schaden auf, wenn eine Leitung ausfällt? Im Bundeswirtschaftsministerium arbeitet man unter Hochdruck an Haftungsregeln. Ein Teil der Risiken soll sozialisiert werden, bezahlen müssten also die Stromkunden. Dann wird der Einstieg in das Netzgeschäft noch attraktiver.

Axel Höpner/Klaus Stratmann (HB)

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