Wirtschaft : Allianz erwartet zweistelligen Gewinnzuwachs

MÜNCHEN (tmh/fw/HB).Die Allianz AG, München, steht vor einem neuen Rekordjahr.Im Umsatz dürfte die größte Versicherung der Welt 1998 auf etwa 106 Mrd.DM (Vorjahr 86) wachsen, teilte das Unternehmen in einem Zwischenbericht mit.Der Umsatzsprung geht jedoch fast ausschließlich auf die erstmalige Einbeziehung der neuen Tochter AGF aus Frankreich mit allein rund 18 Mrd.DM Umsatz seit ihrer Übernahme Anfang April zurück.Bereinigt um diesen Effekt liege das Wachstum nur bei 1,4 Prozent.Dafür verantwortlich ist laut Allianz insbesonders starker Wettbewerbsdruck in der Schaden- und Unfallversicherung.So sei der Umsatz in diesen Sparten in Deutschland, Österreich und Großbritannien bis Ende September 1998 rückläufig.

In Deutschland beträgt der Rückgang nach früheren Angaben 1,6 Prozent, was vor allem auf neue Kfz-Tarife zurückgeht.In den USA und Frankreich stehen die Lebens- und Krankenversicherung unter Druck.In Asien leidet der Versicherer trotz zweistelliger Zuwachsraten in jeweiliger Landeswährung wegen des dortigen Währungsverfalls unter einem Beitragsschwund in DM-Rechnung.Den Schadensverlauf beurteilt die Allianz nach neun Monaten 1998 dagegen weltweit als "relativ günstig".Außergewöhnliche Naturereignisse wie ein Eissturm in Kanada oder der Hurrikan "George" in Puerto Rico sowie Großschäden in der heimischen Industrieversicherung hätten den Schadensaufwand dennoch leicht steigen lassen.Konkrete Zahlen nannte die Allianz nicht.

Das Gewinnwachstum der Allianz ist davon offenbar nicht negativ betroffen.Bis Ende 1998 erwartet der Assekuranz-Konzern unverändert ein erneut prozentual zweistelliges Plus im Jahresüberschuß.Voraussetzung dafür seien eine anhaltende Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte und keine gravierenden Veränderungen in der Schadensentwicklung.Zum ungebrochenen Gewinnwachstum tragen auch die Kapitalanlagen bei, die mit der AGF-Übernahme auf 640 Mrd.DM angestiegen sind.1997 betrug der Konzernjahresüberschuß knapp 2,7 Mrd.DM.Bankanalysten schätzten den Allianz-Gewinn zuletzt auf 1998 konzernweit 3,1 bis 3,2 Mrd.DM.Für einen außerordentlichen Gewinn von bis zu einer Mrd.DM dürfte der jüngste Verkauf eines 15prozentigen Allianz-Anteils an der BHF-Bank sorgen.

Vor knapp einem Jahr hatte die Allianz die französische Gesellschaft AGF erworben.Um die Wette mit der italienischen Generali hatte der deutsche Versicherer für die französische Gesellschaft AGF geboten.Die Axa - Frankreichs Versicherungsriese - wollte verhindern, daß der mächtige deutsche Konzern sich vor ihrer eigenen Haustür breitmacht.Doch die Allianz spielte clever: Sie verschaffte der Generali die Mehrheit an der Aachener und Münchener-Gruppe und damit einen großen Auftritt auf dem deutschen Markt.Im Gegenzug überließen die Italiener den Deutschen die AGF.Bébéar soll getobt haben.Mit dem Coup schob sich die Allianz an ihm vorbei an die Weltspitze.

Das war nicht der erste Coup des geschickten Allianz-Chefs.Als sich 1994 die Schweizerische Rückversicherung auf die Rückversicherung konzentrierte und ihre "normalen" Versicherungen loswerden wollte, griff die Allianz zu und stärkte damit ihre Position in der Schweiz und in Italien.Als Mitgift bekam sie die deutsche Vereinte Versicherung, und die durfte sie aus kartellrechtlichen Gründen nicht zusammen mit der Deutschen Krankenversicherung (DKV) behalten.Also wurde ein Käufer für die Vereinte gesucht - aber nicht gefunden.Doch der Allianz-Chef fand den Ausweg: Er verkaufte einfach die DKV an die Münchener Rück.Ruhe wird so schnell nicht einkehren bei der Allianz.Auch wenn sie ihrer Konkurrenz schon weitgehend enteilt ist - sie möchte weiter wachsen: In Großbritannien könnte der Konzern eine Lebensversicherung gebrauchen, in den USA einen großen Vermögensverwalter.

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