Wirtschaft : Allianz fällt tief in die roten Zahlen

Versicherungskonzern verbucht mit 2,5 Milliarden Eurohöchsten Quartalsverlust seiner Geschichte

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München (nad). Die Allianz hat im dritten Quartal einen Milliardenverlust gemacht und das bisher schlechteste Ergebnis in der Firmengeschichte vorgelegt. Auch für das Gesamtjahr schließt der größte deutsche Versicherungskonzern einen Verlust nicht mehr aus. Die Börse ließ sich von den Hiobsbotschaften aber nicht schocken: Die AllianzAktie schloss um acht Prozent höher bei 105 Euro.

Im dritten Quartal sei der Verlust von 46,3 Millionen im Vorjahr auf 2,5 Milliarden Euro gestiegen, teilte Konzernchef Henning Schulte-Noelle am Donnerstag in München mit. Das katastrophale Ergebnis führt die Allianz auf eine Häufung von Sonderbelastungen zurück. Am stärksten machte dem Konzern die Krise an den Aktienmärkten zu schaffen: Wegen der Talfahrt der Kurse musste die Allianz im dritten Quartal 1,7 Milliarden Euro auf Wertpapiere abschreiben. Mit 762 Millionen Euro schlugen die Rückstellungen wegen Asbestklagen in den USA zu Buche. Das Jahrhunderthochwasser im Sommer belastete die Versicherung mit 664 Millionen Euro – 114 Millionen Euro mehr als bisher angenommen. Der dritte große Brocken ist die vor gut einem Jahr von der Allianz aufgekaufte Dresdner Bank.

Die Bank steuerte im dritten Quartal ein Minus von 972 Millionen Euro zum Ergebnis der Allianz bei. Damit summiert sich der Verlust der Dresdner Bank nach Angaben der Allianz in den ersten neun Monaten auf zwei Milliarden Euro. Weil die Dresdner Bank anders bilanziert als die Allianz, gab sie den Verlust für das dritte Quartal deutlich niedriger an (siehe nebenstehenden Artikel).

Durch den Verlust im dritten Quartal rutschte die Allianz auch in den ersten neun Monaten in die roten Zahlen. Aus einem Gewinn von 1,6 Milliarden Euro zum Halbjahr wurde ein Verlust von 924 Millionen Euro. „Der Tiefpunkt dürfte damit hinter uns liegen", sagte Schulte-Noelle. Für den weiteren Jahresverlauf erwarte er eine deutliche „Ergebnisverbesserung". Einen konkreten Ausblick auf das Geschäftsjahr wollte der Konzernchef nicht geben. Er schloss aber nicht aus, dass die Allianz erstmals in ihrer Geschichte einen Jahresverlust ausweisen könnte. Ursprünglich hatte sie einen Überschuss von drei Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Trotz der schlechten Lage sollen die Aktionäre in diesem Jahr voraussichtlich wieder eine Dividende von 1,50 Euro erhalten. „Die Zeit der leichten Gewinne ist aber erst einmal vorbei", stellte Schulte-Noelle klar. Dennoch will die Allianz im kommenden Jahr in die Gewinnzone zurückkehren. Um dieses Ziel zu erreichen, will der einst erfolgsverwöhnte Konzern hart durchgreifen. Bei der Dresdner Bank drängt die Allianz, bis Ende 2003 jährlich zwei Milliarden Kosten einzusparen. Wegen der anhaltenden Börsenkrise will der Konzern auch die Überschussbeteiligung bei seinen Lebensversicherungen senken, die derzeit bei 6,8 Prozent liegt. „Über die genaue Höhe werden wir bis Jahresende entscheiden", sagte Schulte-Noelle. Um sich besser gegen Hochwasser und Sturm zu rüsten, will die Allianz zudem die Preise für ihre bestehenden Haushalts- und Gebäudeversicherungen in Ostdeutschland um sieben bis neun Prozent anheben.

Finanzvorstand Helmut Perlet betonte, dass die Allianz in ihrem Kernbereich Versicherungen auf einem guten Weg sei. Die verdienten Nettoprämien seien im dritten Quartal um 6,31 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro gestiegen. Das Ziel, die Schaden-Kosten-Quote auf unter 100 Prozent zu drücken, soll jetzt schon im kommenden Jahr anstatt erst 2004 erreicht werden. Eine Kapitalerhöhung hält Konzernchef Schulte-Noelle weiterhin nicht für erforderlich. Zur Stärkung des Eigenkapitals erwägt die Allianz aber die Emission von zwei Anleihen mit einem Volumen von insgesamt zwei Milliarden Euro. Außerdem können Inhaber von Allianz-Genussscheinen diese in Allianz-Aktien umtauschen – für acht Genussscheine soll es zehn Aktien geben. Damit soll Fremdkapital in Eigenkapital umgewandelt werden.

Die positive Reaktion an den Börsen auf die schlechten Nachrichten erklärten Analysten mit der erwarteten Verbesserung des Versicherungsgeschäfts und dem Großreinemachen im dritten Quartal. In den Zahlen sei alles Negative enthalten, so dass die Allianz nun mit einem bereinigten Ergebnis von Null starten könne, hieß es in Analystenkreisen.

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