• Allianz ist in der Aktionärsgunst stark gesunken Kritik an hohen Kursverlusten und Übernahme der Dresdner Bank

Wirtschaft : Allianz ist in der Aktionärsgunst stark gesunken Kritik an hohen Kursverlusten und Übernahme der Dresdner Bank

NAME

München (tmh). Die Münchner Allianz AG und ihr Vorstandschef Henning Schulte-Noelle sind in der Gunst ihrer Aktionäre vor allem wegen der belastenden Übernahme der Dresdner Bank stark gesunken. Zwar zeigten 5300 Anteilseigner zur Hauptversammlung am Mittwoch in München für die Belastung durch die Terroranschläge in den USA durchaus Verständnis. Die Halbierung des Jahresüberschusses 2001 auf 1,6 Milliarden Euro hänge aber nicht nur mit dem 11. September zusammen, rügte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider, mit Blick auf die Übernahme der Dresdner Bank.

Angesichts anhaltender Verluste im Bankgeschäft stelle sich die Frage, ob die Bildung eines Allfinanzkonzerns der strategisch richtige Weg sei, sagte der SdK-Chef. Denn bei der Dresdner würden sich die allgemeinen Probleme heimischer Banken kumulieren. Ein anderer Aktionär nannte den Dresdner-Deal „fahrlässig". Zudem passe die Investmentsparte der Bank nicht zum Breitengeschäft der Allianz. Unter einer Ertragsschwäche leide die Allianz auch in der Vermögensverwaltung, der Lebens- und Krankenversicherung.

Unzufriedene Aktionäre rügten ferner das Fehlinvestment in den insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier, das die Allianz allein rund 150 Millionen Euro gekostet hat, und kostspielige Zukäufe von Vermögensverwaltern. „2001 war keine Sternstunde der Allianz,“ urteilte eine Vertreterin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Aktionäre und Markt bräuchten nun eine neue Vision des Managements, die Verkäufe aus dem umfangreichen Beteiligungsbesitz des Konzerns bringen könne. Immerhin habe die Allianz-Aktie im Vorjahr ein Drittel ihres Wertes verloren. Auch in diesem Jahr geht es mit dem Kurs bergab. Seit März steht die Aktie unter Druck.

Neue Visionen blieb Schulte-Noelle trotz der Aktionärsschelte jedoch schuldig. Beim geplanten Beteiligungsverkauf freiwerdende Mittel werde man zur Stärkung des Kerngeschäfts verwenden, sagte er. Das im Plan liegende Verschmelzen von Allianz und Dresdner verteidigte der Konzernchef gegen die massive Kritik als strategisch richtig. Das Duo werde bis 2006 wie geplant seine Erträge um jährlich gut eine Milliarde Euro verbessern. Schon jetzt bringe die Übernahme zusätzliches Geschäft, unter anderem bei sogenannten Riester-Produkten zur privaten Altersvorsorge, sagte Schulte-Noelle. Hier habe die Allianz rund ein Fünftel Marktanteil und damit die Marktführerschaft erobert. Insgesamt rechnet der Konzern 2002 mit vier Prozent Umsatzplus auf knapp 44 Milliarden Euro und gut drei (Vorjahr 1,6) Milliarden Euro Jahresüberschuss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar