Wirtschaft : Allianz Leben deckt stille Reserven auf

Als erstes deutsches Versicherungsunternehmen an die EU-Regelungen angepaßt / Beitragseinnahmen deutlich gestiegen STUTTGART (rtr).Die Allianz Lebensversicherungs-AG hat in ihrer Bilanz für 1997 stille Reserven in Höhe von 24,6 Mrd.DM offengelegt.Die Allianz erklärte am Montag, sie sei der erste große Versicherer, der Einblick in die stillen Reserven gewähre.Dabei handelt es sich um die Differenz zwischen dem bilanzierten Anschaffungswert und dem aktuellen Wert der Kapitalanlagen.Insgesamt standen Kapitalanlagen von 126,7 Mrd.DM in der Bilanz.Firmenchef Gerhard Rupprecht sagte, die Reserven böten Schutz vor Risiken des Kapitalmarktes.Seine Beitragseinnahmen steigerte der größte deutsche Lebensversicherer um 4,5 Prozent auf 12,5 Mrd.DM. Wegen der Harmonisierung der Bilanzierung in der Europäischen Union müssen Versicherungen in der Bilanz für 1997 auch die aktuellen Werte für festverzinsliche Wertpapiere und Dividendenwerte wie etwa Aktien ausweisen.Für Grundstücke ist dies zwei Jahre später vorgesehen.Allianz Leben veröffentlichte nun die Zeitwerte für alle drei Positionen. Demnach betrug die Bewertungsreserve, also das Verhältnis des aktuellen Werts zum Anschaffungswert, im Schnitt der vergangenen 15 Jahre 11,1 Prozent und schwankte zwischen jährlichen Quoten von 7,5 und den 1997 erreichten 19,3 Prozent.Von der stillen Reserve zum Ende des vergangenen Jahres entfielen 19,2 Mrd.DM auf Dividendenwerte, 3,7 Mrd.DM auf Grundstücke und 1,7 Mrd.DM auf festverzinsliche Wertpapiere.Die Summe der gebuchten Kapitalanlagen von 126,7 Mrd.DM bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs um 7,1 Prozent. Das Offenlegen von Bewertungsreserven werde künftig zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor sagte der Vorstandsvorsitzende, Gerhard Rupprecht, dies gelte nicht nur auf dem Lebensversicherungsmarkt.Die Allianz müsse in diesem Punkte den Vergleich mit der Konkurrenz aber nicht scheuen.Stille Reserven gehörten in der Vergangenheit zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Versicherungskonzerne.Rupprecht sagte, von den stillen Reserven profitierten nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Kunden.Er verwies darauf, daß die Höhe der stillen Reserven stark schwanken könne.Im Fall sinkender Werte von Kapitalanlagen könne der Wertverlust bis hin zum Buchwert ohne ertragsmindernde Abschreibungen aufgefangen werden.Im umgekehrten Fall könnten die stillen Reserven bewußt abgebaut werden, um durch Verkäufe Kursgewinne zu erreichen und so die Verzinsung der Kapitalanlagen zu erhöhen. Aus dem nicht bezifferten Gesamtüberschuß will Allianz Leben 4,5 Mrd.DM für die Beitragsrückerstattung zurückstellen, rund 300 Mill.DM mehr als im Vorjahr.Im Geschäftsjahr 1997 erzielte Allianz Leben nach eigenen Angaben eine Nettoverzinsung der Kapitalanlagen von 7,6 Prozent, 0,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.Die aus neuen Verträgen eingenommenen Neubeiträge legten um 8,1 Prozent auf 2,7 Mrd.DM zu.Der Trend zur privaten Rentenversicherung habe sich fortgesetzt, erklärte Allianz Leben.Der Anteil der Rentenversicherungen an den Neubeiträgen habe um 2,7 Prozentpunkte auf nun 65,4 Prozent zugenommen.Ende 1997 verbuchte Allianz Leben einen Versicherungsbestand mit einer Summe von 305 Mrd.DM, 5,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Hamburger Bund der Versicherten kritisierte die Zahlen von Allianz Leben über die stillen Reserven als unwahr und nutzlos.Der wahre Wert dürfte noch um 50 Prozent höher liegen.Für die Versicherten sei deren Veröffentlichung letztlich nutzlos, da sie erst an den Reserven beteiligt würden, wenn die Allianz die mit Versichertengeld angeschafften Vermögenswerte verkaufe.

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