Wirtschaft : Allianz Leben hängt die Wettbewerber ab

Dank Firmenkunden und Riester-Rente geht das Geschäft nur geringfügig zurück

Rita Lansch /HB

Stuttgart - Der deutsche Branchenprimus Allianz Leben hat dank starker Nachfrage nach betrieblicher Altersvorsorge und Riester-Rente im vergangenen Jahr dem negativen Branchentrend weitgehend getrotzt. Während die Branche infolge der Besteuerung von Lebensversicherungen bei den Neubeiträgen einen Rückgang von fast einem Viertel hinnehmen musste, betrug das Minus bei Allianz Leben lediglich 2,8 Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Für 2006 erwartet die Allianz wieder ein überdurchschnittliches Wachstum mit Lebensversicherungen.

Insgesamt verzeichnete die Allianz Leben bei den Beitragseinnahmen mit einem Zuwachs von 12,2 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro einen Rekord. „Dieser hohe Anstieg übertrifft unsere eigenen Erwartungen“, erklärte der neue Vorstandschef Maximilian Zimmerer.

Vor allem das Geschäft mit Firmenkunden boomt bei den Stuttgartern. Zudem war 2005 das „Riester-Jahr“, sagte Zimmerer. Die Allianz hat den Absatz auf 203 000 Neuverträge versechsfacht. Dabei hat die mit der diesjährigen Umstellung auf geschlechtsneutrale Beiträge von der Branche zuvor angedrohte Verteuerung für Männer zwar einen gewissen Schub in 2005 gebracht. Der erwartete Schlussverkauf blieb jedoch aus. Das mag auch daran gelegen haben, dass die Preisunterschiede nicht nennenswert sind. Insgesamt hat die Allianz jetzt 800 000 Riester-Verträge im Bestand (18 Prozent Marktanteil) und erwartet noch eine deutliche Zunahme.

Der Marktanteil der zum Allianz-Konzern gehörenden Lebensversicherung beläuft sich jetzt auf etwas mehr als 20 Prozent. Im Neugeschäft konnte sie ihren Anteil sogar um rund fünf Prozent ausbauen. Sie rangiert sowohl im privaten wie im betrieblichen Vorsorgemarkt auf Platz eins.

Allerdings blickt Zimmerer mit Sorge auf die anstehende Reform des Versicherungsvertragsgesetzes: „Die laufende Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven ist angesichts der Schwankungen an den Kapitalmärkten eine ernsthafte Bedrohung.“ Nachgiebig zeigt sich die Allianz Leben jedoch in einem anderen Fall:

Im Gegensatz zur Branche verzichtet die Allianz auf die Einrede der Verjährung gegenüber den ehemaligen Kunden, denen nach einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts noch Nachzahlungen zustehen. Insgesamt hat sie hierfür 130 Millionen Euro zurückgestellt.

Ob die Umstrukturierung des Allianz-Konzerns bei der Tochter zu einem Stellenabbau führt, sagte Zimmerer nicht. Der Konzern wird sich dazu erst im Juni äußern.

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