Wirtschaft : Allianz macht dem ADAC Konkurrenz

Schutzbrief für 13 DM in Vorbereitung / Tariferhöhung in der Kfz-Versicherung wahrscheinlich MÜNCHEN (tmh).Der Versicherungsriese Allianz AG bläst zum Frontalangriff auf den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC), beide München.Von April 1998 an biete die Allianz neue Versicherungspolicen für die Personenwagen-Haftpflicht, die eine vollwertige Schutzbriefkomponente enthalten, kündigte der Vorstandsvorsitzende der Allianz Versicherungs-AG, Reiner Hagemann, zur Bilanzvorlage in München an.Der Schutzbrief, der nur in Verbindung mit einer Haftpflichtpolice erhältlich sei, koste 13 DM.Der ADAC verlangt als Marktführer für Kraftfahrzeug-Schutzbriefe derzeit 69 DM. "Wir nehmen den Wettbewerb mit dem ADAC und anderen offen auf," bekräftigte Allianz-Vorstand Friedrich Caspers.Der Preis für den künftig pauschal in der Haftpflicht enthaltenen und auf Wunsch abwählbaren Schutzbrief sei niedrig kalkuliert, weil mit großem Zuspruch gerechnet wird.Einer "Kriegserklärung" komme der Vorstoß aber nicht gleich, ergänzte ein Sprecher.In Deutschland gibt es rund acht Mill.Schutzbriefe, davon etwa 5,5 Mill.beim ADAC und seinen 13,5 Millionen Mitgliedern. Die Allianz hat 1997 ihren Bestand an Kraftfahrzeug-Versicherungen erstmals auf über acht Mill.gesteigert.Damit habe der deutsche Marktführer in diesem wichtigen Versicherungssegment mit rund 17 Prozent Marktanteil zum zweiten Mal hintereinander in einem Jahr mehr Policen gewonnen als verloren, betonte Hagemann.Die neuen Tarife sollen diesen Trend verstärken.Allerdings führt die Allianz von April an nicht nur eine Schutzbrief-Komponente sondern auch die jährliche Fahrleistung als neues Tarifmerkmal in ihre Kraftfahrzeug-Haftpflichtverträge ein.Das werde eine "gewisse Preisbewegung" auslösen, räumte Hagemann ein, wollte aber nicht von einer "versteckten Tariferhöhung" sprechen.Die Zeiten von Tarifreduzierungen seien aber eindeutig vorbei.Spekulationen, wonach die Kraftfahrzeug-Haftpflichtbeiträge im kommenden Jahr marktweit um bis zu ein Viertel teurer würden, träfen aber zumindest auf die Allianz nicht zu. Die eigene Tarifentwicklung hänge vom Schadensverlauf dieses Jahres ab.Im Vorjahr führte der dazu, daß sich in der Allianz-Sparte Kraftfahrzeug-Haftpflicht das versicherungstechnische Ergebnis von minus 167 Mill.DM auf minus 265 Mill.DM verschlechterte.Da die Sparte Kraftfahrzeug-Kasko mit 321 (Vorjahr 325) Mill.DM Gewinne erwirtschaftete, sind Kraftfahrzeug-Versicherungen, die 40 Prozent aller Beitragseinnahmen der inländischen Sachversicherungsgruppe tragen, für die Allianz insgesamt profitabel.Allerdings führten die Probleme in der Kraftfahrzeug- und auch der Industrieversicherung 1997 zu einer Gewinnstagnation in der gesamten Gruppe.Das Gesamtergebnis vor Steuern wuchs nach vorläufigen Zahlen nur um ein Prozent auf 1,6 Mrd.DM.Das versicherungstechnische Ergebnis vor Schwankungsrückstellungen fiel dabei um fast ein Fünftel auf 757 Mill.DM.Die Beitragseinnahmen bröckelten angesichts von Prämiensenkung und Risikoauswahl um gut zwei Prozent auf 16,7 Mrd.DM ab.Die Zahl der Mitarbeiter sank um etwa 500 auf 23 238 Frauen und Männer. Für das laufende Jahr rechnet Hagemann mit einem erneut "sehr flachen" Beitragswachstum.Für das versicherungstechnische Ergebnis erwartet er eine positive Entwicklung, lehnte eine Prognose für das Gesamtergebnis aber mit Verweis auf die unwägbare Schadensentwicklung ab.Nach der Allianz Lebensversicherungs-AG legte auch Sachgruppe ihre stillen Reserven offen.Ende 1997 hatte dieser Posten einen Umfang von 14,3 Mrd.DM.Zu Buche stehen die Kapitalanlagen der Gruppe mit 29,7 Mrd.DM bei einem Zeitwert von 44 Mrd.DM.Dieses Verhältnis sei angemessen, meinte Allianz-Vorstand Joachim Faber.Von Mitte 1998 an werde die Allianz im übrigen für institutionelle Kunden und Privatkunden individuelle Vermögensverwaltung anbieten.

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