Wirtschaft : Allianz macht endlich wieder Gewinn

Versicherungs- und Bankgeschäft erholen sich – Konzern profitiert von Steuergutschrift

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München (nad). Nach vier Quartalsverlusten in Folge hat der größte deutsche Versicherungskonzern Allianz wieder schwarze Zahlen geschrieben. Vor allem im Kernbereich Versicherungen konnte er im zweiten Quartal kräftig zulegen. Außerdem verringerten sich die Verluste bei der AllianzTochter Dresdner Bank deutlich. Für das Gesamtjahr rechnet die Allianz nun wieder mit einem Gewinn. Im vergangenen Jahr hatte die Allianz zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte einen Milliardenverlust gemacht. Die Allianz-Aktie fiel dennoch bis zum Handelsschluss um 0,7 Prozent auf 88,08 Euro, weil der Konzern mit seinem Ergebnis unter den Erwartungen geblieben ist.

„Der Trend zeigt in die richtige Richtung“, sagte der neue Konzernchef Michael Diekmann am Donnerstag in München. Er räumte aber ein, dass die Allianz „noch nicht über den Berg“ sei. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern einen Gewinn von 622 Millionen Euro, gegenüber einem Minus von 356 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im gesamten Halbjahr machte die Allianz einen Gewinn von 102 Millionen Euro. Der hohe Gewinn im zweiten Quartal resultiert zum größten Teil aus einer enormen Steuergutschrift. Das Vorsteuerergebnis von lediglich einer Million Euro wurde von Analysten als enttäuschend eingestuft.

Im defizitären Bankgeschäft, das vor allem aus der Tochter Dresdner Bank besteht, machte die Allianz allerdings deutliche Fortschritte: Der operative Verlust verringerte sich im ersten Halbjahr von 951 auf 21 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 437 Millionen Euro – im Vorjahr war es noch mehr als eine Milliarde gewesen. Obwohl die Allianz mit ihren Kostensenkungen im Plan sei, müsse der Sparkurs verschärft werden, sagte Diekmann. Dresdner Bank-Chef Herbert Walter kündigte für die nächsten beiden Jahre den Abbau von weiteren 4700 Stellen an (siehe nebenstehenden Bericht). Die angeschlagene Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein will der Allianz-Chef Diekmann „zumindest in den nächsten beiden Jahren“ nicht verkaufen.

Diekmann kündigte jedoch an, dass der Konzern sich von anderen Beteiligungen trennen werde. So habe der Konzern den Verkauf der amerikanischen Allianz Life Re-Insurance eingeleitet. Zudem gab Diekmann bekannt, dass die Tochtergesellschaft Afore Allianz Dresdner in Mexiko für 200 Millionen Dollar verkauft werde.

Erfolge verbuchte die Allianz im zweiten Quartal im Versicherungsgeschäft. Die Schaden-Kosten-Quote, die das Verhältnis von Schadenszahlungen und Verwaltungskosten zu Prämieneinnahmen anzeigt, sank im ersten Halbjahr von 102,2 auf 97,1 Prozent. Unterhalb einer Quote von 100 Prozent arbeiten Versicherer profitabel. Diekmann zeigte sich zuversichtlich, die Schaden-Kosten-Quote auch im Gesamtjahr unter 100 Prozent zu halten. Die Brutto-Beitragseinnahmen stiegen von 42,14 Milliarden Euro auf knapp 50 Milliarden. Die größten Zuwächse verzeichnete die Allianz im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft.

Um weniger anfällig von Schwankungen an den Aktienmärkten zu sein, hat die Allianz ihre Aktienquote seit Ende des vergangenen Jahres um 2,5 auf 16 Prozent gesenkt. Wegen der schwachen Börsen hatte die Allianz im Vorjahr und zu Beginn dieses Jahres massive Abschreibungen vornehmen müssen. Controlling-Vorstand Helmut Perlet rechnet mit weiteren Abschreibungen bis zu 400 Millionen Euro im dritten Quartal.

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