Wirtschaft : Allianz macht Weg für AGF-Deal frei

Versicherungsriese besänftigt Mitbewerber Generali / Einigung noch vor Weihnachten

MÜNCHEN/PARIS (AFP).Im Streit um die Übernahme der französischen Versicherungsgruppe AGF steht der Münchner Allianz-Konzern offenbar kurz vor einer Einigung mit seinem italienischen Konkurrenten Generali.Die Pariser Wirtschaftszeitungen "La Tribune" und "Les Echos" berichteten am Mittwoch übereinstimmend, daß die Grundsätze einer einvernehmlichen Lösung zwischen beiden Kontrahenten bereits feststünden.Danach übernimmt die Allianz wie geplant für mehr als 9 Mrd.DM die Assurances Générales de France (AGF) und wird auf diese Weise die Nummer eins auf dem weltweiten Versicherungsmarkt.Im Gegenzug soll die Generali einige Beteiligungen der AGF bekommen.Ein Allianz-Sprecher betonte auf Anfrage, eine Einigung sei noch vor Weihnachten möglich. Durch die Einigung auf dem Verhandlungsweg könnten die beiden Konzerne verhindern, den Preis für die AGF gegenseitig weiter in die Höhe zu treiben.Die zweitgrößte französische Versicherungsgruppe war im vergangenen Jahr privatisiert worden.Im Oktober legte der italienische Marktführer Assicurazioni Generali den AGF-Aktionären ein Angebot vor, das um 20 Prozent über dem damaligen Börsenkurs lag.Die AGF wertete dies jedoch als Plan einer "feindlichen Übernahme" und setzte sich zur Wehr.Bei der Suche nach anderen Interessenten wurde Konzernchef Antoine Jeancourt-Galignani schnell bei der Allianz fündig, die mit einem deutlich besseren Angebot die Offerte der Italiener konterte. Nach Informationen aus Pariser AGF-Kreisen sieht die Einigung vor, daß die Generali unter anderem die Kapitalmehrheit bei der Aachener und Münchner Beteiligungsgesellschaft (AMB) bekommt, bei der die AGF derzeit 33,5 Prozent der Anteile besitzt.Außerdem soll sie mit "etwas weniger als einem Drittel" an der Athena-Finanzierungsgesellschaft beteiligt werden.Die beiden Konkurrenten aus München und Triest wollten sich zu Einzelheiten des deutsch-italienischen Kompromisses nicht äußern.Allianz-Sprecher Emilio Galli-Zugaro sagte aber: "Wir sind bei den Verhandlungen vorangekommen und hoffen auf eine Einigung noch vor Weihnachten." Die Anleger honorierten die neuesten Nachrichten über den Kompromiß umgehend: Die Allianz-Aktie legte am Mittwoch in Frankfurt am Main um über drei Prozent zu. Der Kauf der AGF wäre eine der teuersten Übernahmen, an denen sich je ein deutsches Unternehmen beteiligte.Für den Erwerb will die Allianz 4 Mrd.DM selbst aufbringen, der Rest soll über den Kapitalmarkt finanziert werden.Nach Einschätzung von Analysten dürfte die Allianz nach der AGF-Übernahme durch Synergie-Effekte rund 300 Mill.DM jährlich einsparen.Die eigentlichen Ziele seien jedoch strategisch; dazu zähle vor allem der Erwerb zusätzlicher Marktanteile.Marktbeobachter weisen schon seit längerem darauf hin, daß sich die Versicherer auf den europäischen Märkten nur durch Fusionen neue Marktanteile erschließen könnten, weil die Märkte bereits aufgeteilt seien.

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