Wirtschaft : Allianz-Manager fordern mehr Mut in der Politik

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Berlin (tpp/hjk/cbu/pot/HB/WSJ). Der Vorstandsvorsitzende des Allianz-Konzerns, Henning Schulte-Noelle, hat die Entscheidung der Versicherung verteidigt, im vergangenen Jahr die Dresdner Bank vollständig übernommen zu haben. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Schulte-Noelle: „Wir haben ein langfristiges strategisches Konzept, und das halten wir über alle Aufs und Abs der Kapitalmärkte durch.“

Die Dresdner Bank schreibt wegen der Börsenkrise rote Zahlen und belastet die Bilanz des Allianz-Konzerns. Schulte-Noelle räumte ein, im April des vergangenen Jahres nicht „mit dieser Talfahrt gerechnet“ zu haben. Die Krise an den Märkten könne „zu Konsequenzen für weitere Sparmaßnahmen in der Bank führen“, sagte Bernd Fahrholz, Vorstandschef der Dresdner Bank in demselben Gespräch. „Ich glaube, dass sich die Märkte in diesem Jahr nicht mehr deutlich erholen“, ergänzte er.

In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass sich Allianz und Dresdner Bank von ihrem Investmentbanking trennen werden. Das wiesen die beiden Manager zurück: „Es geht im Moment vor allem darum, mit großer Konsequenz die Hausaufgaben abzuarbeiten und sich nicht jeden Tag in neue Spekulationen verwickeln zu lassen. Aber wir überprüfen natürlich fortlaufend unsere Strategien“, sagte Schulte-Noelle. Fahrholz nannte die Überlegung, dass sich die Dresdner Bank von ihrem derzeit wenig lukrativen Aktiengeschäft trenne, „abstrus“.

Schulte-Noelle warnte davor, die Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe aufzugeben, wie das die CDU/CSU für den Fall ihres Wahlsieges angekündigt hat: „Wir würden es sehr bedauern, wenn eine künftige Regierung dies rückgängig machen würde. Das wäre ein Fehler.“

Schulte-Noelle sagte, dass er sich generell mehr Mut in der Politik wünsche. „Ich habe die Hoffnung, dass die künftige Regierung das mit Volldampf in Angriff nimmt, was in kleineren Gesprächsrunden längst unumstritten ist.“ Was die Reformvorhaben in der nächsten Legislaturperiode angehe, könne er „in persönlichen Gesprächen mit den Politikern der einen oder anderen politischen Seite gar keine so großen Unterschiede feststellen. Der Mut zu unpopulären Botschaften ist aber gerade im Wahlkampf bei allen Parteien begrenzt“.

Fahrholz forderte massivere Reformanstrengungen auf dem Arbeitsmarkt. Zur Arbeit der so genannten Hartz-Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes sagte er: „Die Vorschläge der Hartz-Kommission setzen daran an, die Arbeitslosen wieder in Arbeit zu bringen, sie schaffen jedoch keine neuen Arbeitsplätze. Es ist erforderlich, die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass nennenswerte Arbeitslosigkeit gar nicht erst entstehen kann. Dafür sind massivere Reformen notwendig.“

Immerhin habe die jetzige Bundesregierung mit der Rentenreform die Weichen dafür gestellt, dass der Einstieg in ein anderes System der Rentenfinanzierung geschafft worden sei. „Aber wir wissen doch alle, dass dies noch weiter entwickelt werden muss. Die demographische Entwicklung zwingt uns dazu. Deshalb wird es nicht die letzte Rentenreform gewesen sein.“

Zum Verkauf von Riester-Rentenverträgen sagte Schulte-Noelle: „Wir hatten für 2002 mit 1,3 Millionen Verträgen gerechnet und sind jetzt bei 500000 Policen – unter den gegebenen Verhältnissen ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.“ Fahrholz sagte, er rechne mit einer langfristig steigenden Nachfrage nach Riesterprodukten: „Die werden immer nachgefragt werden.“

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