Wirtschaft : Allianz: "Mein Name ist Schulte-Noelle. Ich arbeite für die Allianz"

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Am Freitag wurde sie zum ersten Mal auf dem New Yorker Parkett gehandelt: Die Allianz-Aktie. Damit baut Henning Schulte-Noelle, der Vorstandsvorsitzende der Allianz Holding AG in München, den viele für den mächtigsten Mann der deutschen Wirtschaft halten, seinen weltweiten Einfluss weiter aus.

Seine Stimme hat Gewicht - ob es um die Zukunft von Nivea-Creme geht oder um Verhütungsmittel von Schering. Große Anteile an der Dresdner Bank und der Hypo-Vereinsbank sichern seine Macht auch und vor allem in der Finanzwelt. Und dennoch ist der Vorsitzende der größten Versicherung der Welt kein Freund großspuriger Auftritte. In der Öffentlichkeit gibt er sich bescheiden: "Mein Name ist Henning Schulte-Noelle. Ich arbeite für die Allianz."

Er ist ein Kriegskind: 1942 in Essen geboren, wächst Henning Schulte-Noelle in bürgerlichen Verhältnissen auf - der Vater ein Diplom-Ingenieur, die musisch begabte Mutter von einem großen Hof in Westfalen stammend. Er studiert Jura, wird für kurze Anwalt in einer Frankfurter Kanzlei, wechselt dann aber schon rasch zur Allianz, wo er 1975 in Nordrhein-Westfalen beginnt, als Assistent des Filialleiters. 1984 wird Schulte-Noelle selbst Leiter: der Zweigniederlassung Köln. 1988 wird er in den Vorstand gerufen, und drei Jahre danach, 1991, ist er ihr Vorsitzender.

Es beginnt eine schwere Zeit für den neuen Chef: Der expandierte Allianz-Konzern musste damals erstmals Verluste im Versicherungsgeschäft hinnehmen. Schulte-Noelle reagiert mit Kostensenkungen durch Abbau von Stellen, er strafft die Organisation, optimiert die Abläufe. Gleichzeitig expandiert die Allianz weiter, erschließt sich neue Märkte in Asien.

Schon bald landet Schulte-Noelle ein paar große Coups, die die Finanzwelt so bald nicht vergessen wird. Ein Beispiel: Das Macht-Monopoly mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali. Beide warben vor drei Jahren für die französische Gesellschaft AGF. Ein bangender Dritte kam ins Spiel: Claude Bébéar, Chef von Frankreichs Versicherungsmammut Axa. Er wollte verhindern, dass sich der deutsche Konzern vor seiner Haustür breitmacht. Schulte-Noelle spielte stategisch: Die Allianz verschaffte der Generali die Mehrheit an der Aachener und Münchner-Gruppe und damit einen Großauftritt auf dem deutschen Markt - im Gegenzug überließen die Italiener den Deutschen die AGF. Mit dem Schachzug schob sich die Allianz an die Weltspitze.

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