Wirtschaft : Allianz: Neue Gerüchte um Vermögensverwalter - Auf Hauptversammlung erwarten Aktionäre Auskunft

Die Gerüchte um die Rolle der Allianz AG bei einer möglichen Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank reißen nicht ab, doch erwarten Beobachter am Mittwoch kaum Neuigkeiten von der Hauptversammlung des Versicherungskonzerns in München. Nach dem Scheitern der Fusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank im April werde die Allianz nun doppelt vorsichtig sein, sagte ein Analyst. Aufklärung erhofft man sich dagegen über die Internet-Strategie des Konzerns.

Auch ein Bericht der Tageszeitung "Die Welt" vom Dienstag, wonach Dresdner und Commerzbank der Versicherung die Schaffung eines gemeinsamen Vermögensverwalters vorschlagen wollen, blieb in München unkommentiert. Der gescheiterte Zusammenschluss zwischen der Dresdner und der Deutschen Bank habe gezeigt, dass der Einfluss des Dresdner-Großaktionärs seine Grenzen habe. Die Allianz hält rund 22 Prozent an der Bank. In Unternehmenskreisen hieß es, die Allianz sei nach den Erfahrungen mit Deutscher und Dresdner Bank inzwischen ein "gebranntes Kind".

Gleichwohl hätte die Einbindung der Allianz nach Ansicht der Analysten auch Vorteile. Sie spekulieren auf eine Übernahme von einer der beiden Fondsgesellschaften Adig (Commerzbank) oder DIT (Dresdner Bank) durch die Versicherung. "Das wäre nicht schlecht", sagte Patricia Novak von der DG Bank in Frankfurt. Eine Minderheitsbeteiligung am Asset Management brächte ihrer Ansicht nach dagegen keine Pluspunkte.

"Die Welt" hatte berichtet, unter Beteiligung der beiden Banken und der Allianz solle unter dem Dach einer Holding einer der größten Vermögensverwalter der Welt mit 1000 Milliarden Euro verwaltetem Volumen entstehen. Die Allianz allein könnte dazu 600 Milliarden Euro beisteuern.

Zu den Verhandlungen zwischen Dresdner und Commerzbank hatte sich die Allianz in den vergangenen Wochen mehr zurück gehalten als die Banken selbst. Auch zu der Option, die Versicherung am Investment-Banking und am Privatkundengeschäft zu beteiligen, nahm man in München keine Stellung. "Wenn etwas passiert, muss das Hand und Fuß haben", hieß es dazu im Umfeld der Allianz. Man wolle verhindern, dass es mit der Fusion zu schnell gehe.

Mehr Informationen erhoffen sich die Experten unterdessen über die Internetstrategie des Münchner Versicherungskonzerns. Die Aussagen zum Engagement der Allianz im Internet seien zuletzt noch sehr unkonkret gewesen, sagte Novak. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle hatte angekündigt, dass das Unternehmen jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag in das weltweite Netz investieren wolle, das Angebot werde auf Standardprodukte beschränkt bleiben.

Neue Geschäftszahlen wird die Allianz am Mittwoch nicht bekannt geben, da das zweite Quartal noch nicht abgerechnet ist. In den ersten drei Monaten hatte der Versicherungskonzern die Einnahmen in der Schadens- und Unfallversicherung um 5,3 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro gesteigert, die Lebens- und Krankenversicherungen kletterten im Umsatz um 11,3 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Der Gewinn soll im laufenden Jahr um zehn Prozent auf 2,2 Milliarden Euro und die Bruttobeiträge um vier Prozent auf rund 56 Milliarden Euro steigen.

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