Wirtschaft : Allianz plant Spezialversicherer gegen Terrorschäden

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Die Allianz AG, München, will zusammen mit anderen Konzernen einen internationalen Spezialversicherer für Terrorrisiken gründen. Das bestätigte der Vorstandschef der Inlandsgruppe Allianz Versicherungs-AG, Reiner Hagemann, am Donnerstag vor Journalisten in München. Ob das Projekt gelingt, das keine staatliche Beteiligung vorsieht, sei noch offen. Es gebe dazu branchenweite Gespräche. Mögliche Partner oder Details wollte Hagemann nicht nennen. Inoffiziell ist vom Rückversicherer Swiss Re und der Zürich Financial Services die Rede.

Über den neuen Spezialversicherer will der heimische Marktführer für Industriekonzerne europaweit wieder Policen gegen Terrorschäden anbieten. Seit Anfang 2002 stehen rund 70 Prozent aller industriellen Großkunden der Allianz bei derartigen Risiken ohne Deckung da, weil sie bei jeder Vertragsverlängerung ausgeschlossen werden, sagte Allianz-Experte Axel Theis. Beim Rest erlösche die Deckung im Laufe dieses Jahres, sobald die Policen erneuert werden. Damit hat die Allianz wie die gesamte Versicherungsbranche auf die Terrorakte in den USA reagiert, für die die gesamte Versicherungsbranche nach bisherigen Schätzungen rund 40 Milliarden Dollar an Versicherungskunden bezahlen muss. Die Allianz ist davon mit 1,5 Milliarden Dollar betroffen, was 2001 zu einem Ergebnisrückgang geführt hat.

Die jüngste Einführung von Terrorklauseln verschont allerdings nicht nur die Assekuranz vor künftigen Zahlungen. Sie schafft auch versicherungsfreie Zonen. Konzerne wie BASF können beispielsweise für große Chemiewerke, die als potenzielle Ziele von Terrorangriffen gelten, keine Versicherung mehr abschließen. Mit dem geplanten Spezialversicherer könnte die Lücke geschlossen werden. Dazu werden neben den genannten Kandidaten noch weitere Partner benötigt, um die neue Gesellschaft mit ausreichend Kapital zu versorgen. Geplant sind offenbar Deckungssummen von bis zu 200 Millionen Euro je versichertem Objekt.

Damit begibt sich die Allianz jedoch in Konkurrenz zur ebenfalls mit Blick auf die Terrorgefahren geplante "Extremus Versicherungs-AG". Unter diesem Arbeitstitel soll ein anderer, allerdings auf Deutschland beschränkter Spezialversicherer gegründet werden, bei dem neben der Assekuranz auch der Staat als Risikoträger mit ins Boot geholt werden soll. In diesem Modell würden Versicherer bis zu drei Milliarden Euro Schadenssumme haften und über dieser Grenze der Staat, der dafür an den Prämieneinnahmen beteiligt werden soll. Bislang steht die Bundesregierung dem Plan, der das bisher angedachte Konzept eines Terrorpools weiterentwickelt, reserviert gegenüber. Sie lehnt eine dauerhafte Staatsbeteiligung am Terrorrisiko, wie sie in anderen Ländern praktiziert wird, strikt ab. "Das Terrorrisiko schreit nach staatlicher Unterstützung, weil es von Versicherern nicht kalkulierbar ist," sagte dagegen Theis. Würden Versicherer das Risiko allein übernehmen, drohe im Schadensfall der Ruin.

Als Konkurrenz zu Extremus sieht die Allianz im übrigen den eigenen Terrorversicherer nicht. Dessen Kapazitäten würden deutlich kleiner als die von Extremus und von daher nur eine Ergänzung sein, sagte Allianz-Vorstand Detlef Bremkamp. Ein drittes Modell zur Versicherung von Terrorrisiken wird von Industriekonzernen unter Führung von BASF diskutiert, die dafür einen industrieeigenen Versicherer gründen wollen. Hagemann sieht in diesem noch an den Anfängen stehenden Projekt keinen Konfrontationskurs der Industrie gegen die Assekuranz. Am besten sei jedoch eine europaweite Lösung, die die Kräfte von Staat, Industrie und Versicherern bündelt.

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