Wirtschaft : Allianz: Private Altersvorsorge muss Priorität haben

Vorstandsmitglied Joachim Faber fordert Politik auf, steuerliche Anreize zu verstärken

Heike Jahberg

Berlin – Die Politik muss nach Meinung von Allianz-Vorstandsmitglied Joachim Faber in dieser Legislaturperiode dringend die Weichen für eine stärkere private Altersvorsorge stellen. „Den Bürgern läuft die Zeit davon. Jeder erkennt das Problem, aber keiner packt es konsequent an", kritisierte der Chef der Allianz-Tochter Allianz Global Investors, in der die Vermögensverwaltung und das Fondsgeschäft des Konzerns gebündelt sind. Angesichts der drohenden Überalterung der Gesellschaft und der wachsenden Finanzmisere der Rentenkassen müsse die Stärkung der kapitalgedeckten privaten Vorsorge „absolute Priorität“ haben, forderte Faber im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Auch wenn der Staat sparen müsse, dürfe die private Vorsorge darunter nicht leiden: „Wir brauchen unbedingt deutlichere steuerliche Anreize, um den Aufbau einer kapitalgedeckten Vorsorge zu unterstützen.“

Andere Länder seien bereits deutlich weiter. So habe Irland neun Milliarden Euro bereitgestellt, in Frankreich seien es sogar 30 Milliarden Euro gewesen, mit denen der Staat die zusätzliche private Vorsorge unterstützt habe. Faber spricht sich gegen staatlich verordnete Zwangslösungen aus. Eine verpflichtende Riester-Rente etwa sei keine gute Idee, meint der Allianz-Vorstand. Ihm schwebt vielmehr ein steuerlich geförderter persönlicher Pensionsplan vor, in dem unterschiedliche Vorsorgeinstrumente kombiniert werden könnten und der genau die Flexibilität biete, die sich Kunden heute wünschten.

Nach dem Wegfall des Steuerprivilegs für die Lebensversicherungen gewinnen Fonds für die Altersvorsorge an Bedeutung. So verzeichnete der von Faber verantwortete Bereich Asset Management im ersten Halbjahr Nettomittelzuflüsse in Höhe von 32 Milliarden Euro. Zum steigenden Erfolg der Fondssparte trägt jedoch auch bei, dass Allianz-Versicherungsvertreter seit kurzem verstärkt Bank- und Fondsprodukte anbieten.

Das soll sich auch nach dem Konzernumbau nicht ändern. Die Allianz wird eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht, das Deutschlandgeschäft wird in der neuen Allianz-Holding zusammengefasst. Der Versicherungsvertrieb soll von den Versicherungsgesellschaften gelöst und in einer eigenständigen Vertriebsgesellschaft zusammengefasst werden, die Zusammenarbeit mit anderen Allianz-Sparten soll weiter ausgebaut werden.

Dagegen will die Vermögensverwaltung den Vertrieb für ihre Fondstöchter, darunter den US-Rentenfondsriesen Pimco sowie die deutschen Fondsgesellschaften dit und dbi nicht in einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft bündeln. Das passe gerade im Fall von Pimco und der Investment-Plattform RCM nicht zur internationalen Ausrichtung der Gesellschaften, sagte Faber. Befürchtungen von Verdi und dem Allianz-Betriebsrat, durch den Konzernumbau könnten Stellen gestrichen werden, kommentierte Faber mit den Worten: „Wir werden mit dem Thema Arbeitsplätze und Mitarbeiter nicht leichtfertig umgehen.“ Im Holding-Vorstand gebe es „sehr viel Augenmaß". Bei der Allianz habe man über Jahrzehnte eine Unternehmenskultur aufgebaut, die man erhalten wolle.

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