Wirtschaft : Allianz spart massiv mit neuer Struktur

Höhere Dividende/Keine Änderung für Versicherte

Nicole Huss

München - Die am Wochenende angekündigte Umwandlung des größten europäischen Versicherers Allianz in eine Europa-AG bringt nach Ansicht von Branchenexperten Vorteile für Konzern und Aktionäre. Auf die Versicherten hat der Umbau nach Ansicht von Verbraucherschützern kaum Auswirkungen. Arbeitnehmer befürchten dagegen einen Stellenabbau in Deutschland. Konzernchef Michael Diekmann erwartet vom Umbau des Deutschlandgeschäfts eine „signifikante Kostenreduktion“.

„Wer in der Ersten Liga der internationalen Finanzdienstleister mitspielen will, braucht eine starke Ausgangsposition in seinem Heimatmarkt. Unser Heimatmarkt ist Europa“, sagte Diekmann am Montag. Der Konzern hatte am Vortag angekündigt, seine italienische Tochter RAS komplett zu übernehmen und die Allianz anschließend in eine Gesellschaft europäischen Rechts umzuwandeln. Den RAS-Aktionären will die Allianz ein Barangebot von 19 Euro je Stammaktie und 26,50 Euro je Vorzugsaktie unterbreiten. Die Kosten der 5,7 Milliarden Euro teuren Übernahme werden unter anderem durch eine Kapitalerhöhung finanziert, die rund zwei Milliarden Euro bringen soll. Dazu werden knapp 21 Millionen neue Allianz-Aktien ausgegeben. Die Übernahme der RAS soll bis Sommer 2006 abgeschlossen sein.

Im Zuge der Umwandlung in eine Europa-AG soll außerdem der Aufsichtsrat von 20 auf zwölf Personen reduziert und internationaler besetzt werden. Teil der künftigen Struktur ist auch eine Deutschland-Holding, in der das bislang getrennte Lebens-, Kranken- und Sachversicherungsgeschäft unter einer Führung gebündelt werden soll. Mit dem Schritt will die Allianz ihre komplizierten Strukturen vereinfachen und Kosten sparen.

Die Allianz ist der erste deutsche Großkonzern, der diese von der EU Ende 2004 geschaffene Rechtsform nutzt. Innerhalb einer Europa-AG können Konzerne ihre Geschäfte in einer Holding zusammenfassen, anstatt für jedes Land eine eigene Gesellschaft zu gründen. Dabei fallen viel bürokratischer Aufwand und Kosten weg. „Die Allianz schafft mit der Europa-AG einfachere Strukturen und kann mittelfristig durch Synergien viel Geld einsparen“, sagte Analyst Lucio di Geronimo von der Hypo-Vereinsbank.

Nach Angaben der Allianz sollen die verbesserten Geschäftsprozesse bis zum Jahr 2008 rund 730 Millionen Euro zum Vorsteuergewinn beitragen. Analysten zufolge dürfen die Aktionäre in den kommenden Jahren auf steigende Dividenden hoffen. Der Konzern hat schon angekündigt, die Dividende für 2005 von 1,75 auf zwei Euro anzuheben.

Auf die Versicherten wird sich der geplante Umbau nach Ansicht von Verbraucherschützern nicht negativ auswirken. „Die bestehenden Verträge laufen weiter“, sagte Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Er rechne allerdings auch nicht damit, dass die Allianz die Beiträge für die Versicherten senke.

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